Daniel, stell dich doch bitte kurz der Stahl-Blogger-Community vor.
Sehr gern. Mein Name ist Daniel Rosenbusch, ich bin Geschäftsführer der EFB – Europäische Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V. in Hannover. Ich komme aus der Produktionstechnik und aus der anwendungsnahen Forschung.
Diese Verbindung prägt mich bis heute: Mich interessiert, wie aus technischen Fragen, die in Unternehmen wirklich auftreten, gute Forschung und am Ende nutzbare Lösungen werden. Genau diese Schnittstelle ist auch mein Antrieb bei der EFB: nicht nur über Innovation zu sprechen, sondern mit den richtigen Menschen daran zu arbeiten, dass sie in der Praxis trägt.
Wofür bist du als Geschäftsführer der EFB konkret verantwortlich? Kannst du Zahlen, Daten, Fakten nennen und welche Vorteile hat man als Mitglied?
Die kurze Antwort wäre: Ich bin dafür verantwortlich, dass die EFB als Forschungsvereinigung gut funktioniert und sich weiterentwickelt. Konkreter gesagt ist diese Aufgabe sehr vielseitig.
Die EFB wurde 1949 gegründet und hat ihren Sitz in Hannover. Heute sind über 250 Unternehmen und Forschungsstellen in der EFB engagiert beziehungsweise als Mitglieder organisiert.
Dahinter steht ein großer Wissensbestand: aktuell über 40 laufende und mehr als 600 abgeschlossene Projekte. Das ist für unsere Mitglieder ein echter Schatz, wenn dieses Wissen nicht nur vorhanden ist, sondern auffindbar und nutzbar gemacht wird.
Für Mitglieder ist die EFB deshalb nicht nur ein Netzwerk. Sie bekommen Zugang zu Forschungswissen, Kontakten, Projektmöglichkeiten. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen ist das wertvoll: Sie müssen nicht jede technologische Frage allein bewerten, sondern können sich in einem vorwettbewerblichen Rahmen orientieren, Partner finden und Themen mitprägen.
Auch größere Unternehmen profitieren, weil sie Forschungsfragen früh mitgestalten und technologische Entwicklungen im direkten Austausch mit Forschung und Branche einordnen können.
Innovation und Forschung in der Blechverarbeitung
Viele Unternehmen sprechen von Innovation. Warum scheitern trotzdem so viele gute Ideen zwischen Forschung und industrieller Umsetzung?
Weil zwischen einer guten Idee und einer stabilen Anwendung ziemlich viel Realität liegt.
Im Labor kann etwas überzeugend aussehen, aber im Betrieb gelten andere Bedingungen: vorhandene Anlagen, Taktzeiten, schwankende Materialeigenschaften, Qualitätsanforderungen, Kosten, Personal und manchmal schlicht der Druck des Tagesgeschäfts.
Ich glaube, viele Ideen scheitern nicht an mangelnder Kreativität, sondern an zu wenig Übersetzung. Wenn Forschungsergebnisse nur präsentiert werden, aber nicht in Forschungsberichte, Merkblätter, Wissensaustausch oder konkrete nächste Schritte überführt werden, bleibt zu viel Potenzial liegen.
Wo siehst du aktuell den größten Forschungsbedarf in der Blechverarbeitung: Material, Prozesse, Digitalisierung oder Fachkräfte?
Ich würde die Themen gerne einmal einordnen. Material, Prozesse und Digitalisierung sind technische Forschungsfelder. Fachkräfte sind die Menschen, die dafür stehen, dass Forschungsergebnisse überhaupt entstehen und anschließend in der Praxis ankommen. Gerade deshalb gehört das Thema aber unbedingt mit betrachtet und berücksichtigt.
Der größte Forschungsbedarf liegt aus meiner Sicht an den Schnittstellen.
Neue Werkstoffe verändern Umformverhalten, Fügbarkeit, Simulation und Prüfung. Digitalisierung liefert Daten, aber diese Daten helfen nur, wenn jemand den Prozess versteht. Und eine neue Lösung trägt erst dann, wenn sie im Betrieb sicher angewendet werden kann.
Netzwerke und KI als Innovationstreiber
Die EFB bringt KMU, Konzerne und Forschung zusammen. Was unterscheidet erfolgreiche Innovationsnetzwerke von reinen „Arbeitskreisen ohne Wirkung“?
Ein gutes Innovationsnetzwerk organisiert nicht nur Gespräche, sondern bringt Ordnung in Innovationsarbeit. Das klingt vielleicht trocken, ist aber entscheidend: Welche Themen sind wirklich relevant? Wer trägt den Bedarf? Welche Ressourcen gibt es? Wer übernimmt Verantwortung? Und wie wird aus einer Idee ein belastbarer nächster Schritt?
Für mich unterscheidet sich ein wirksames Netzwerk deshalb nicht durch die Zahl der Treffen, sondern durch seine Fähigkeit, Themen zu sortieren, Entscheidungen vorzubereiten und Wissen nutzbar zu machen. Und es lebt von Menschen.
Wie verändert Künstliche Intelligenz konkret die industrielle Blechverarbeitung, und wo wird KI aktuell eher überschätzt?
KI wird dort interessant, wo sie ein konkretes Produktionsproblem besser lösbar macht.
Also zum Beispiel Prozessabweichungen früher erkennen, Qualitätsverläufe prognostizieren, Maschinenparameter datenbasiert nachführen, Instandhaltung planbarer machen oder Erfahrungswissen im Unternehmen sichern. Am Ende fragt ein Betrieb nicht: Ist das KI? Sondern: Wird mein Prozess stabiler? Sinkt Ausschuss? Entscheide ich schneller und belastbarer?
Überschätzt wird KI dort, wo sie fehlendes Prozessverständnis ersetzen soll. Ohne brauchbare Daten, klare Zielgrößen, Vertraulichkeitsregeln und Menschen, die Ergebnisse technisch einordnen, bleibt KI schnell ein Demonstrator.
Mit dem EFB-Forum für KI wollen wir genau dafür einen hilfreichen Ort bieten: nüchtern sortieren, welche Anwendungen realistisch sind, welche Datenlage reicht und was ein KMU mit vorhandenen Ressourcen überhaupt sinnvoll starten kann. Diese Ehrlichkeit ist mir beim Thema KI sehr wichtig.







