„Stahlgedanken Kolumne“ - Experte über Stahlthemen und Fachliteratur.

CBAM wird zur neuen Währung im Einkauf

Ich war als Stahlblogger beim diesjährigen MBI Stahltag 2026 in Frankfurt. Ein Thema stand besonders im Fokus: CBAM. Über die Folgen des CO₂-Grenzausgleichs referierte Simon Göß, Geschäftsführer der carboneer GmbH. Dabei wurde deutlich: CBAM ist kein Zukunftsthema mehr. Seit dem 1. Januar 2026 läuft die Regelphase. Aus der Reportingpflicht wird ein Kostenfaktor. Wer erfasste Waren wie Stahl oder Aluminium aus Drittstaaten importiert, muss deren eingebettete Emissionen berücksichtigen. Damit erreicht der CO₂-Preis endgültig den Einkauf. Entscheidend ist, welche Emissionsdaten der Importeur nutzen kann.

Liegen verifizierte tatsächliche Werte vor, kann mit ihnen gerechnet werden. Fehlen belastbare Daten, greifen Standardwerte – und die können teuer sein. Ein CO₂-effizienter Produzent kann deutlich darunter liegen. Kann er das nicht belastbar nachweisen, verliert sein europäischer Kunde diesen Vorteil. Datenqualität bekommt damit einen konkreten Preis. Das verändert die Lieferantenbewertung.

CBAM verändert die Lieferantenbewertung

Neben Preis, Qualität und Lieferfähigkeit treten CO₂-Intensität und Verifizierbarkeit. Ein vermeintlich günstiger Lieferant kann plötzlich teuer werden, während ein Anbieter mit höherem Warenpreis aufgrund emissionsärmerer Produktion niedrigere Gesamtkosten verursacht.

Noch komplexer wird es bei mehrstufigen Lieferketten. Wer etwa Schrauben importiert, muss sich nicht nur mit dem Schraubenhersteller beschäftigen, sondern auch mit dessen Draht- und Stahlversorgung. Wo verifizierte Werte fehlen, können Standardwerte zum Einsatz kommen. Entscheidend ist, wo sich bessere Datenqualität wirtschaftlich am meisten lohnt.

Standardwerte können Importe verteuern

Auch für die Finanzplanung wird CBAM relevant. Solange belastbare Lieferantendaten fehlen, bietet sich eine konservative Kalkulation auf Basis der Standardwerte an. Verbessert sich die Datenlage, kann die Einschätzung angepasst werden. Ob daraus bilanziell eine Rückstellung entsteht, ist eine gesonderte Accounting-Frage.

Noch größer könnte die Herausforderung durch eine Ausweitung auf Fertigprodukte werden.
Eine Waschmaschine enthält verschiedene Stähle, Aluminium, einen Motor und weitere Komponenten. Ein Wechsel des Blechlieferanten ändert nicht automatisch die Zolltarifnummer der Waschmaschine – möglicherweise aber ihre eingebetteten Emissionen. CBAM könnte damit tief in Stücklisten, Materialflüsse und internationale Produktionsnetzwerke hineinreichen.

CO₂ wird Teil der Gesamtkosten

Die Konsequenz: CO₂ wird Bestandteil der Total Cost of Ownership. Beschaffer müssen nicht nur wissen, was eine Tonne Stahl kostet, sondern auch, wo und wie sie produziert wurde, welche Emissionsdaten vorliegen und welches CBAM-Risiko daraus entsteht.

CBAM ausschließlich als Compliance-Projekt zu behandeln, wäre deshalb ein Fehler. Es wird zu einem Thema für Einkauf, Lieferantenmanagement, Controlling und Vorstand.

Europa bringt mit CBAM den CO₂-Preis an seine Außengrenze. In den Unternehmen kommt er an einer anderen Grenze an: zwischen Einkaufspreis und tatsächlichen Gesamtkosten.

Wer weiterhin nur auf den Stückpreis schaut, könnte feststellen, dass der günstigste Lieferant plötzlich der teuerste ist.

Ihr
Stahlblogger

 

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Foto: Stahlblogger

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Der Stahlblogger schreibt über den Einfluss von CBAM auf den Einkauf.

CBAM wird zur neuen Währung im Einkauf

Mit CBAM wird der CO₂-Preis zum Faktor im Einkauf. Emissionsdaten beeinflussen Lieferantenbewertung und Gesamtkosten – und können vermeintlich günstige Stahlimporte verteuern. Für Unternehmen wird die Qualität dieser Daten damit wirtschaftlich relevant.

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