Konjunkturprognose 2026: Staatliche Impulse bringen Aufschwung

Das Diagramm steht sinnbildlich für die Konjunkturprognose 2026 des IMK.
2026 hellt sich die deutsche Wirtschaftslage auf. Laut neuer Konjunkturprognose 2026 des IMK sorgen öffentliche Investitionen, steigender Konsum und gezielte Impulse für Wachstum. Doch geopolitische Risiken bleiben eine zentrale Herausforderung.

Nach vier Jahren Wachstumsschwäche wird sich die deutsche Konjunktur 2026 endlich deutlich beleben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nimmt im Durchschnitt des kommenden Jahres um 1,2 Prozent zu, nach einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent 2025. Hauptfaktoren für die Erholung sind die positiven Impulse der staatlichen Investitionen und Investitionsfördermaßnahmen sowie ein anziehender Konsum der privaten Haushalte. Das ergibt die neue Konjunkturprognose 2026 des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Weltwirtschaftlicher Gegenwind trifft auf binnenwirtschaftliche Erholung

Der Außenhandel entwickelt sich hingegen weiterhin schwach, was vor allem an den USA und an China liegt. Die US-Zölle behindern weiterhin den Export in die USA, zudem belasten sie die amerikanische und die gesamte Weltkonjunktur. Gleichzeitig wächst die globale Konkurrenz durch chinesische Unternehmen, während die Nachfrage aus China schwach bleibt. Zusätzlich bremsend wirkt die Aufwertung des Euro gegenüber Dollar und Renminbi. Die Inflationsrate beträgt laut IMK-Prognose 2,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025, im kommenden Jahr liegt die Prognose beim Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent.

Gegenüber seiner vorherigen Prognose vom September 2025 reduziert das IMK die Wachstumserwartung beim BIP für dieses Jahr minimal um 0,1 Prozentpunkte. Für 2026 senken die Ökonomen sie leicht um 0,2 Prozentpunkte. „Der Gegenwind aus der Weltwirtschaft ist in den vergangenen Monaten nochmal stärker geworden. Und es geht dabei ganz klar weniger um klassische Nachfragezyklen oder Wettbewerbsfähigkeit als um geoökonomische Verschiebungen, die über aggressive Handels- und Industriepolitik forciert werden“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK.

„Im kommenden Jahr gewinnen dann aber die stützenden Faktoren die Oberhand. Erstmals seit der Wiedervereinigung dürfte Deutschland dann einen binnenwirtschaftlich angestoßenen Aufschwung erleben. Wichtige Faktoren sind die zu erwartende solide Lohnentwicklung, vor allem aber die politische Entscheidung, endlich den enormen öffentlichen Investitionsstau in Deutschland aufzulösen“, so Dullien.

Konjunkturprognose 2026: Öffentliche Investitionen als Treiber

Im Fazit ihrer Konjunkturprognose 2026 betonen die Konjunkturexperte des IMK daher auch den Stellenwert der Wirtschaftspolitik. „Im Jahr 2026 schaltet die Finanzpolitik in Deutschland von fiskalischer Kontraktion auf Expansion um. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur, beschleunigten militärischen Beschaffungen, dem Investitionssofortprogramm und dem Industriestrompreis setzt die Bundesregierung deutliche Impulse zur Belebung der deutschen Binnenkonjunktur in der Größenordnung von rund einem Prozent des BIP.“

Vornehmlich politischer Natur sind allerdings auch die erheblichen konjunkturellen Risiken, die die Konjunkturforscher ausmachen und die dazu führen könnten, dass 2026 wirtschaftlich doch schlechter ausfällt als prognostiziert. An erster Stelle die „erratische Wirtschaftspolitik“ der US-Regierung, die das erwartete Wachstum der amerikanischen Wirtschaft von 1,8 Prozent 2026 noch deutlich reduzieren könnte – mit weiteren negativen Folgen für Welthandel und Weltwirtschaft.

Der Bundesregierung empfehlen die Forscher, einen klaren Kurs in der Wirtschaftspolitik zu halten und die gesetzten positiven Impulse nicht wieder zu konterkarieren: „Gelingt es der Bundesregierung, umfangreiche öffentliche Investitionen auf den Weg zu bringen und steigt das Vertrauen der Unternehmen und der privaten Haushalte in die Wirtschaftspolitik, könnte das BIP infolge kräftigerer Investitionen und eines dynamischeren privaten Konsums stärker ansteigen als es diese Prognose widerspiegelt.“

Ausgewählte Kerndaten der Konjunkturprognose 2026

Arbeitsmarkt

Die konjunkturelle Erholung 2026 wirkt sich noch nicht auf die durchschnittlichen Jahreswerte auf dem Arbeitsmarkt aus, die lange Rezessionsphase wirkt vorerst nach. Die Zahl der Erwerbstätigen stagniert im Jahresdurchschnitt 2025. Die Arbeitslosigkeit steigt um gut 160.000 Personen auf knapp 2,95 Millionen im Jahresmittel, die Arbeitslosenquote liegt bei 6,3 Prozent nach 6,0 Prozent 2024. Für 2026 veranschlagen die Forschenden einen minimalen Rückgang der Erwerbstätigenzahl um jahresdurchschnittlich 0,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt um gut 20.000 Personen, die Quote bleibt bei 6,3 Prozent.

Weltwirtschaft und Außenhandel

Die Weltwirtschaft wächst 2025 und 2026 recht verhalten um 3,1 bzw. 2,7 Prozent. Insbesondere die Handelspolitik der USA wirkt belastend – auch auf die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land. Das IMK rechnet für die USA mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 und 1,8 Prozent – nach noch 2,8 Prozent 2024. Im Euroraum wird das BIP 2025 um 1,4 Prozent wachsen, 2026 sind es 1,3 Prozent.

Die deutschen Exporte erhalten von wichtigen Handelspartnern nur schwache Impulse, wozu neben den US-Zöllen auch beiträgt, dass der Euro erheblich gegenüber US-Dollar und chinesischem Renminbi aufgewertet hat und dass in China gezielt Importe durch Produkte aus heimischer Herstellung ersetzt werden. Dagegen stützt die Nachfrage aus anderen EU-Ländern die deutschen Ausfuhren. Im Jahresdurchschnitt 2025 sinken die Exporte um 1,0 Prozent. 2026 wachsen die Exporte zwar wieder, allerdings lediglich um 0,9 Prozent im Jahresmittel. Die Importe legen 2025 um durchschnittlich 3,1 Prozent zu und 2026 um 2,7 Prozent. Dementsprechend ist der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum in beiden Jahren deutlich negativ. Der Saldo der deutschen Leistungsbilanz wird im Prognosezeitraum spürbar sinken. Gleichwohl verzeichnet Deutschland weiterhin einen Außenhandelsüberschuss.

Investitionen

Die Ausrüstungsinvestitionen nehmen laut Konjunkturprognose 2026 des IMK wieder Fahrt auf, im Jahresdurchschnitt 2025 schlägt sich das aber noch nicht nieder: Hier nehmen die Investitionen sogar um 2,2 Prozent ab. Im kommenden Jahr zeigen die vermehrten staatlichen Investitionen, die zusätzlichen Ausgaben für Verteidigung und die Investitionsförderung erste Wirkung, hinzu kommt der Industriestrompreis. Im Jahresdurchschnitt 2026 legen die Ausrüstungsinvestitionen um 4,4 Prozent zu. Die Bauinvestitionen schwenken, auch in Folge steigender Infrastrukturinvestitionen, ebenfalls auf einen Erholungskurs ein, der sich allerdings auch erst 2026 deutlicher in der Statistik zeigt: Nach einem Rückgang um 1,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025 legen die Bauinvestitionen im kommenden Jahr um durchschnittlich 2,5 Prozent zu.

 

Foto: Gumbik/Pexels.com

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