Gewähren Einblicke: Peter Jüngst und Jürgen Laukandt, ESH Euro-Stahl Handel

Peter Jüngst (r.) und Jürgen Laukandt (l.) bilden das Geschäftsführer-Duo der ESH Euro-Stahl Handel GmbH & Co. KG. In der Mitte steht ein Journalist.
Die ESH Euro-Stahl Handel GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der E/D/E Gruppe, versteht sich als zentrale Plattform und Partnergemeinschaft für den mittelständischen Stahlhandel. Im Gespräch mit der Stahlmarkt-Redaktion geben die ESH-Geschäftsführer Peter Jüngst und Jürgen Laukandt unter anderem Einblicke in Teamstruktur, Umsatzentwicklung, strategische Initiativen wie SteelPower, SteelFocus und SteelMinds sowie die nächsten Schritte in Richtung Internationalisierung und Digitalisierung. Dabei wird deutlich: Nähe zum Markt, partnerschaftliche Zusammenarbeit und konsequente Weiterentwicklung prägen die in Wuppertal ansässige ESH ebenso wie ein realistischer Blick auf die Herausforderungen der Branche.

„Mit Bereitschaft zum offenen Austausch profitieren am Ende alle“

Neben der SteelPower-Gruppe, die Sie eben beschrieben haben, gibt es noch SteelFocus. Wie unterscheiden sich die beiden?

Jürgen Laukandt: Sie besteht seit etwa zwei Jahren, ebenfalls aus vier Unternehmen und ist noch in der Findungsphase. Grundsätzlich arbeitet sie aber nach dem gleichen Prinzip – mit verbindlicher Zusammenarbeit und klaren Zuständigkeiten. Wir möchten die Gruppen in ihren Teilnehmerzahlen bewusst klein halten. Unsere Erfahrung zeigt: Wenn man vor 20 Leuten spricht, dauert es oft keine zehn Minuten, bis die Informationen im Markt kursieren. Spätestens in der Mittagspause wird zum Telefon gegriffen – und dann ist das, was man gerade vorgestellt oder besprochen hat, schon draußen.

Etwas anders gelagert ist SteelMinds als dritte Gruppe. Was steckt dahinter?

Jürgen Laukandt: SteelMinds war uns ein echtes Herzensanliegen und wurde vor fast zwei Jahren gegründet. Wir wollten den Nachwuchskräften unserer Mitglieder eine Plattform bieten, auf der sie sich austauschen, vernetzen und voneinander lernen können. Die Idee entstand 2022 beim BDS-Stahlhandelstag in Magdeburg. Heute umfasst die Gruppe 14 Nachfolgerinnen und Nachfolger im Alter von Anfang 20 bis Mitte 30. Wir treffen uns zwei- bis viermal im Jahr, moderieren den Austausch und bringen auch unsere eigenen jungen Mitarbeiter ein. Wir halten uns dabei eher im Hintergrund – als Plattformgeber – das Format wird sehr gut angenommen. Wichtig ist: Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen Regionen, sodass keine direkten Wettbewerbe entstehen. Das schafft Offenheit und Vertrauen – und vermittelt Wissen, das sie in ihrer künftigen Rolle brauchen werden.

Peter Jüngst: Der alte Spruch gilt: Keiner ist so gut wie alle zusammen. Wenn die Bereitschaft zum offenen Austausch da ist, profitieren am Ende alle.

„Die Digitalisierung ist unser nächster großer Schritt“

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die ESH – und was genau planen Sie?

Peter Jüngst: Die Digitalisierung ist unser nächster großer Schritt. Viele Prozesse im Stahlhandel sind noch manuell – das wollen wir ändern. Gemeinsam mit Mitgliedern entwickeln wir praxisnahe Lösungen, die 2026 marktreif sein sollen. Es geht nicht mehr nur um bessere Konditionen, sondern um Schnelligkeit, Automatisierung und Entlastung – gerade mit Blick auf Fachkräftemangel und steigende Anforderungen.

Jürgen Laukandt: Ein zentrales Thema ist die fehlende einheitliche Datenbasis. Wir wollen Standards schaffen, damit Prozesse – von der Anfrage bis zum Lieferschein – durchgängig digital laufen. Das Projekt wird betreut von unserem Prokuristen Andreas von Helden und mit Engagement vorangetrieben. Ziel ist: Daten nur einmal erfassen, Fehler vermeiden, Zeit sparen. Die Umsetzung erfolgt über unsere IT-Strukturen – auf Handelsseite klar erkennbar. Bei den Lieferanten steigen manche später ein, aber auch hier streben wir eine durchgängige Integration an. Gerade im Verwaltungsbereich gibt es für den Mittelstand großes Einsparpotenzial. Aktuell arbeiten wir mit einigen ausgewählten Mitgliedern und Lieferanten an der konkreten Umsetzung. Wenn das System steht und sich bewährt hat, wollen wir es breiter ausrollen. Dann haben alle Mitglieder die Möglichkeit, sich anzuschließen – oder eben nicht. Natürlich hoffen wir, dass viele den Nutzen erkennen und sich beteiligen.

Peter Jüngst: Am Ende muss die Leistung überzeugen. Ich halte nach über 35 Jahren Verbandsarbeit nichts von Pflichtprogrammen. Wenn der Mehrwert stimmt und die Lösung echte Vorteile bringt, machen die Mitglieder freiwillig mit – und genau darauf setzen wir auch diesmal.

Sie betonen Vertrauen, Partnerschaft und Kommunikation mit Ihren Mitgliedsbetrieben. Wie organisieren Sie den Austausch darüber hinaus?

Jürgen Laukandt: Neben Meet & Connect, wie jüngst in Morschen, führen wir jeweils im Frühjahr und Herbst an vier Standorten von Süd nach Nord Regionaltagungen durch. Dort treffen wir Mitglieder und regelmäßig auch Lieferpartner. Zusätzlich sind wir auf Branchenevents wie der Tube beziehungsweise wire, Made in Steel oder der Blechexpo präsent. Ergänzt wird das durch regelmäßige Videocalls in kleinen Gruppen sowie viele persönliche Besuche bei Mitgliedern und Partnern vor Ort.

Mit welcher Erwartung gehen Sie in das Geschäftsjahr 2026?

Peter Jüngst: Wir sind trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zuversichtlich. Klar, es könnte besser laufen – aber man muss mit der Situation umgehen, wie sie ist, und das Beste daraus machen. Da gilt ein alter Grundsatz, den Sie sicher kennen: Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für gute Unternehmer.

 

Foto: Dirk Maertens

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