Gewähren Einblicke: Peter Jüngst und Jürgen Laukandt, ESH Euro-Stahl Handel

Peter Jüngst (r.) und Jürgen Laukandt (l.) bilden das Geschäftsführer-Duo der ESH Euro-Stahl Handel GmbH & Co. KG. In der Mitte steht ein Journalist.
Die ESH Euro-Stahl Handel GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der E/D/E Gruppe, versteht sich als zentrale Plattform und Partnergemeinschaft für den mittelständischen Stahlhandel. Im Gespräch mit der Stahlmarkt-Redaktion geben die ESH-Geschäftsführer Peter Jüngst und Jürgen Laukandt unter anderem Einblicke in Teamstruktur, Umsatzentwicklung, strategische Initiativen wie SteelPower, SteelFocus und SteelMinds sowie die nächsten Schritte in Richtung Internationalisierung und Digitalisierung. Dabei wird deutlich: Nähe zum Markt, partnerschaftliche Zusammenarbeit und konsequente Weiterentwicklung prägen die in Wuppertal ansässige ESH ebenso wie ein realistischer Blick auf die Herausforderungen der Branche.

Wie sieht Ihr Team konkret aus, wer arbeitet bei der ESH Euro-Stahl Handel?

Jürgen Laukandt: Wir sind elf Personen – ein kleines, aber sehr aktives Team. Ich bin stolz darauf, dass fast alle regelmäßig draußen im Markt unterwegs sind. Stahl ist Tagesgeschäft, da zählt Nähe. Wir brauchen den direkten und persönlichen Kontakt zu unseren Partnern auf der Seite der Mitgliedsunternehmen. Ansonsten beugen wir dem Fachkräftemangel und dem demografischen Wandel vor, indem wir frühzeitig neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, bevor Teammitglieder in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Peter Jüngst: Wir agieren auch deshalb frühzeitig, weil das Hineinwachsen in ein Verbandsteam etwas anderes ist als im Großhandel oder bei einem Stahlwerk. Diese Einarbeitung braucht Zeit – und unsere inhabergeführte Unternehmensstruktur unterstützt uns, diesen Prozess frühzeitig und vorausschauend zu gestalten.

Welchen Umsatz erwirtschaften Sie mit diesen elf Personen in diesem Jahr, und wie sieht der Plan für das nächste Jahr aus?

Peter Jüngst: Die E/D/E Gruppe wird dieses Jahr deutlich über dem Vorjahr liegen. Das Warengeschäft macht davon rund zwei Drittel aus, und davon wiederum entfällt dieses Jahr über eine Milliarde Euro auf den Stahlbereich. Wir werden damit im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent wachsen. Der Plan für 2026 steht noch nicht final, aber wir werden allein durch die Aktivitäten, die wir angestoßen haben, und bereits vorliegende Zusagen von Händlern unabhängig von der Konjunktur weiterwachsen.

„Wir werden an den Tonnagen gemessen, die wir bewegen“

Seit wann ist das Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler im Stahl aktiv und was gab im Jahr 2016 den Anstoß, den Bereich als ESH Euro Stahl-Handel auszugründen? Welche Meilensteine haben seitdem die Entwicklung geprägt?

Jürgen Laukandt: Die Ausgründung sollte uns vor allem schneller und flexibler machen. Schon damals war absehbar, wie dynamisch sich der Stahlmarkt entwickeln würde – etwa durch Anti-Dumping-Maßnahmen. Als eigenständiges Unternehmen konnten wir schneller agieren. Alle Mitarbeitenden, die vorher im Bereich Stahl beim E/D/E tätig waren, sind vollständig in die ESH Euro Stahl-Handel GmbH & Co. KG übergegangen.

Peter Jüngst: Im mittelständischen Stahlhandel gibt es nur zwei Kooperationen: das E/D/E und einen Mitbewerber. Nachdem wir uns in den ersten Monaten nach meinem Einstieg 2019 intensiv mit der Situation befasst hatten, haben wir zum 1. Januar 2020 mit drei Unternehmen innerhalb der ESH die Gruppe „SteelPower“ gegründet, mittlerweile gehören der Gruppe vier Unternehmen an. Ziel war eine verbindliche, aktive Zusammenarbeit. Die Mitglieder bringen sich intensiv ein, arbeiten eng mit uns zusammen und treten gemeinsam gegenüber der Industrie auf. Sie verpflichten sich zur kontinuierlichen Abnahme vereinbarter Mengen – das ist ein wichtiger Punkt für die Werke. Was intern besprochen wird, bleibt vertraulich. Anfangs wussten wir nicht, ob das Modell trägt. Heute – sechs Jahre später – wissen wir: Es funktioniert. Lieferanten können besser planen, unsere Mitglieder profitieren spürbar.

Wie viele Mitgliedsfirmen haben Sie, und wie setzt sich die SteelPower-Gruppe zusammen?

Jürgen Laukandt: Insgesamt zählen wir etwa 200 Mitgliedsunternehmen – alle mit einem jährlichen Umsatzvolumen von mindestens einer halben Million Euro. Einige Häuser liegen sogar bei über 100 Millionen. Aktiv in einem wöchentlichen Austausch sind wir mit rund 140 Partnern, mit denen wir Geschäfte tätigen. Wichtig ist mir dabei: Die SteelPower-Gruppe ist kein exklusiver „Club im Club“. Die Mitglieder arbeiten füreinander, unterstützen sich und ESH in der täglichen Arbeit – und am Ende profitieren alle ESH-Mitglieder von diesem Engagement.

Was haben sie konkret bewirkt?

Jürgen Laukandt: Wir werden letztlich daran gemessen, welche Tonnagen wir bewegen – und da haben wir uns in mehreren Bereichen stark entwickelt, etwa im Bereich Bewehrungsstahl. Gleichzeitig war es uns wichtig, uns breiter aufzustellen. Deshalb haben wir gezielt zusätzliche Warengruppen aufgebaut: Stabstahl, Träger, Bleche, Rohre und mehr. Unser Ziel war es, die Tonnageverteilung deutlich von der einseitigen Betonstahl-Orientierung hin zu einem ausgewogeneren Portfolio zu verschieben. Besonders bei Trägern ist uns das gelungen: Aus einer eher kleinen Position heraus haben wir uns in den letzten zwei Jahren zu einem anerkannten Partner der Industrie entwickelt.

Peter Jüngst: Das liegt auch daran, dass sich die Mitglieder aktiv in die Arbeit einbringen. Innerhalb der SteelPower-Gruppe übernimmt jeweils ein Unternehmen die Verantwortung für bestimmte Produktgruppen – und entscheidet dabei auch im Sinne der anderen drei Firmen mit. Das bedeutet: loslassen, Vertrauen in die Kollegen und gemeinsam handeln. Viele Umsätze, die früher an externen Quellen an uns vorbeigelaufen sind, etwa im europäischen Markt oder im Import, konnten wir dadurch zurückholen. Trotz der aktuell schwierigen Konjunktur konnten wir in einzelnen Produktbereichen bis September ein Mengenwachstum von über 20 Prozent verzeichnen. Das ist kein Effekt der Marktbedingungen, sondern ein klares Ergebnis unserer konzentrierten Zusammenarbeit.

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