Gesamtmetall sieht 300.000 Arbeitsplätze gefährdet

Der Verband Gesamtmetall sieht ohne bessere Standortbedingungen weitere Arbeitsplätze gefährdet.
In der Metall- und Elektro-Industrie setzt sich der Beschäftigungsabbau fort. Im April 2026 gingen saisonbereinigt 15.600 Arbeitsplätze verloren – der stärkste Rückgang seit Juli 2020. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der Beschäftigten um mehr als 100.000.

Im April 2026 waren nach den jüngsten veröf­fent­lichten Zahlen des Statis­ti­schen Bundes­amtes 3,746 Millionen Beschäf­tigte in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) tätig. Das waren 2,7 Prozent bzw. 102.600 Beschäf­tigte weniger als im Vorjah­res­monat. Im Vergleich zum März 2026 gingen saison­be­rei­nigt 15.600 Arbeits­plätze verloren – das stärkste Minus seit Juli 2020. Der Arbeits­platz­abbau setzt sich damit seit fast zwei­ein­halb Jahren unun­ter­bro­chen fort. Gegenüber 2019 sind in der M+E-Industrie fast 320.000 Arbeits­plätze verloren gegangen, was einem Rückgang um 7,8 Prozent entspricht. Demge­gen­über war der Produk­ti­ons­rü­ck­gang mit 15 Prozent doppelt so hoch.

Tiefgreifende Reformen zur Sicherung der Arbeitsplätze

Gesamt­me­tall-Haupt­ge­schäfts­führer Oliver Zander: „Es ist beru­hi­gend, dass sich in den Gesprä­chen der Bundes­re­gie­rung mit den Sozi­al­part­nern alle Teil­nehmer weit­ge­hend über den Ernst der Lage einig waren. Es gibt aber längst kein Erkennt­nis­pro­blem mehr. Niemand braucht weitere Papiere oder noch mehr warme Worte. Dem Standort läuft die Zeit davon. Ohne bessere Stand­ort­be­din­gungen sind allein in der M+E-Industrie weitere 300.000 Arbeits­plätze gefährdet. Oberstes Ziel der Bundes­re­gie­rung muss es daher sein, dass die Unter­nehmen in Deutschland wieder stärker inves­tieren. Nur so können Arbeits­plätze gesichert werden. Die Unter­nehmen brauchen jetzt tief­grei­fende Reformen und nicht weitere kurz­fris­tige und zeitlich begrenzte Sofort­maß­nahmen. Denn so bleiben die struk­tu­rellen Heraus­for­de­rungen bestehen, während die Haus­halts­lü­cken immer größer werden.“

Die privaten Ausrüs­tungs­in­ves­ti­ti­onen liegen in Deutschland 17 Prozent unter dem Niveau von 2019. In der M+E-Industrie sind diese sogar um mehr als 20 Prozent einge­bro­chen. Aufgrund der schlechten Rahmen­be­din­gungen am Standort Deutschland inves­tieren die M+E-Unter­nehmen seit 2020 weniger in neue Maschinen als abge­schrieben wird. Damit veraltet der Maschi­nen­park und die Betriebe verlieren weiter an Produk­ti­vität und inter­na­ti­o­naler Wett­be­werbs­fä­hig­keit, was immer mehr Jobs kostet.

Zander: „Bis zur parla­men­ta­ri­schen Sommer­pause müssen konkrete Reformen verab­redet werden: Dazu gehört auch die im Koali­ti­ons­ver­trag verein­barte Reform des Arbeits­zeit­rechts – eine gesetz­lich veran­kerte Wochen­a­r­beits­zeit für alle Arbeit­geber und Beschäf­tigten sowie ein klares Bekenntnis zur Vertrau­ens­a­r­beits­zeit ohne Zeit­er­fas­sung. Zudem müssen die Sozi­a­l­ver­si­che­rungs­bei­träge endlich stabi­li­siert werden. Direkte oder indirekte Beitrags­er­hö­hungen lehnen wir kate­go­risch ab.“

Foto: Gesamtmetall

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