Industriestrompreis greift bei Badischen Stahlwerken nicht

Die Collage zeigt einen BSW-Mitarbeiter im Stahlwerk und Geschäftsführer Florian Glück, der Kritik am Industriestrompreis äußert.
Der Industriestrompreis soll energieintensive Unternehmen entlasten. Für die Badischen Stahlwerke greift das Instrument jedoch nicht. Grund sind beihilferechtliche Vorgaben und strukturell hohe Stromkosten in Deutschland.

Die Bundesregierung will mit einem vergünstigten Industriestrompreis energieintensive Unternehmen entlasten. Doch ausgerechnet Unternehmen mit einem besonders hohen Stromverbrauch wie die Badischen Stahlwerke (BSW) in Kehl können die Förderung in der geplanten Form nicht nutzen. Für das Unternehmen bleibt damit das eigentliche Problem ungelöst: Strom ist in Deutschland aus Sicht der BSW strukturell zu teuer.

Industriestrompreis für Elektrostahlwerk nicht nutzbar

Die Badischen Stahlwerke (BSW) produzieren am Standort Kehl mit 850 Beschäftigten bis zu 2,5 Millionen Tonnen Betonstahl. Als Elektrostahlwerk im internationalen Wettbewerb ist das Unternehmen in besonderem Maß auf wettbewerbsfähige Energiepreise angewiesen: Der jährliche Stromverbrauch entspricht dem von rund 250.000 Vier-Personen-Haushalten.

Entsprechend groß war die Hoffnung, dass der angekündigte Industriestrompreis die Lage spürbar verbessert. Doch für die BSW greift das Instrument nicht. Wegen europäischer Beihilfevorgaben lässt es sich nicht mit der bereits bestehenden CO2-Strompreiskompensation kombinieren, die das Unternehmen erhält. „Der Industriestrompreis bringt uns nichts“, sagt Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke. „Was wir brauchen, sind ganzheitliche Lösungen, bei denen sich Instrumente nicht gegenseitig ausschließen.“

Strukturell hohe Strompreise belasten Industrie

Nach Ansicht Florian Glücks liegt die Ursache der hohen Strompreise auf der Hand: „Die hohen Strompreise in Deutschland sind kein Naturgesetz. Sie sind das Ergebnis politischer Entscheidungen.“ Günstige Energiequellen seien abgeschaltet worden, ohne rechtzeitig für ausreichend bezahlbaren Ersatz aus erneuerbaren Quellen zu sorgen. Das treibe die Preise in die Höhe. Hinzu kämen staatlich verursachte Preisbestandteile auf der Stromrechnung wie Abgaben, Umlagen und Netzentgelte. „Die deutsche Industrie zahlt heute deutlich mehr für Strom als viele Betriebe im benachbarten Ausland. Das ist ein erheblicher Nachteil im internationalen Wettbewerb“, sagt Glück. „Bestehende Hilfen federn nur einen Teil dieser Mehrkosten ab. Ohne sie wäre die Lage noch dramatischer. Aber sie lösen das eigentliche Problem nicht: Strom ist in Deutschland strukturell zu teuer.“

BSW sieht keine verlässliche Grundlage für langfristige Investitionen

Hinzu kommt aus Sicht der Badischen Stahlwerke ein zweites Problem: Es fehlt an Planbarkeit. Entlastungen stehen unter Finanzierungsvorbehalt und werden oft nur für ein Jahr beschlossen – abhängig von der jeweiligen Haushaltslage. Zudem wirken sie nicht immer sofort: Auch der Industriestrompreis würde, selbst wenn ein Unternehmen ihn nutzen kann, erst rückwirkend im Folgejahr ausgezahlt. Für ein Unternehmen, das Investitionen mit Laufzeiten von 20 oder 30 Jahren plant, ist das keine verlässliche Grundlage. „Damit Unternehmen wie wir wieder planen können, müssen die Entlastungen dauerhaft, verlässlich und vor allem ohne Haushaltsvorbehalte abgesichert sein“, so Glück.

„Industriestrompreis, der seinen Namen verdient“

Für die Badischen Stahlwerke steht fest: Mit Einzelmaßnahmen lässt sich das Problem nicht lösen. Statt einzelner Maßnahmen braucht es einen dauerhaft wettbewerbsfähigen Gesamtpreis für Industriestrom. Staatlich verursachte Preisbestandteile müssen gesenkt, bestehende Entlastungen dauerhaft verankert werden. „Wir brauchen einen Industriestrompreis, der seinen Namen auch verdient, und mit dem wir langfristig planen können“, sagt Glück. „Der Stahlstandort Deutschland hat Zukunft – aber nur, wenn die Politik jetzt die richtigen Weichen stellt“, ergänzt er.

Fotos: BSW / Markus Dietze

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