Hybar erweitert seinen Stahlstandort in Osceola im US-Bundesstaat Arkansas um eine zweite CMT-550-Anlage der SMS group. Gemeinsam mit der bestehenden Linie entsteht nach Angaben des Anlagenbauers das weltweit erste Twin-CMT-System. Die zusätzliche Anlage erhöht die jährliche Produktionskapazität für Bewehrungsstahl um 630.000 US-Tonnen (rund 572.000 Tonnen).
Der Baubeginn ist für Ende 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll 24 Monate später erfolgen. Durch den Ausbau will Hybar die bestehende Logistik- und Energieinfrastruktur am Standort gemeinsam nutzen.
Hybar nutzt Solarstrom und Batteriespeicher
Die beiden CMT-Anlagen werden an die bestehende Energieversorgung des Standorts angebunden. Dazu gehören ein Solarpark mit 105 Megawatt Leistung sowie ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 160 Megawattstunden. Nach Angaben von SMS sollen sich die CO₂-Emissionen gegenüber einer herkömmlichen Minimill um bis zu 35 Prozent reduzieren.
Die Continuous Minimill Technology (CMT) verbindet Stahlerzeugung, Stranggießen und Walzen zu einem durchgängigen Produktionsprozess. Die neue Linie ist für Bewehrungsstahl mit Durchmessern von 12,4 bis 35 Millimetern ausgelegt und für eine spätere Integration der VCC-Technologie (Vertical Compact Coiler) zur Herstellung von Coils mit bis zu acht Tonnen Gewicht vorbereitet.
Elektrolichtbogenofen und Automation für neue CMT-Linie
Das Hybar-Stahlwerk erhält einen Elektrolichtbogenofen auf Basis der EDGE-DC-Technologie sowie eine Twin-Pfannenofenstation. Das X-Pact-AURA-System übernimmt die elektrische Energieversorgung des Schmelzaggregats und soll eine Produktivität von mehr als 80 Tonnen pro Stunde bei niedrigem Energieverbrauch und geringer Belastung des Stromnetzes ermöglichen.
Zur technischen Ausstattung gehört außerdem ein Digitalisierungspaket zur Erfassung von Anlagen- und Produktionsdaten in Echtzeit. Die Daten werden in der DataXpert-Plattform zusammengeführt und unter anderem für die Anlagenüberwachung sowie die Entwicklung von Machine-Learning-Modellen genutzt.
Eine einsträngige Endlosgießanlage mit CONREX-Kokillentechnologie verbindet das Stahlwerk über einen induktiven Temperaturausgleich direkt mit dem Walzwerk. Dadurch lässt sich die Abhängigkeit von fossil beheizten Wiedererwärmungsöfen reduzieren.
Das Walzwerk umfasst 14 gehäuselose Walzgerüste und einen sechspassigen MEERdrive-Hochgeschwindigkeits-Fertigwalzblock. Nach dem Walzen kontrolliert das autonome Lasermesssystem TBK MEERgauge die Produktabmessungen. Das integrierte High-Speed-Delivery-System soll zusätzlich die Materialausbeute und die Bundform verbessern.
Synergien am Standort Osceola nutzen
Hybar knüpft mit dem Auftrag an den Betrieb der ersten CMT-550-Anlage am Standort Osceola an. CEO David Stickler verweist bei der Erweiterung auf die bereits vorhandene Logistik und Fachkompetenz am Standort sowie die Möglichkeit, Versorgungsinfrastruktur gemeinsam zu nutzen. Damit wolle das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach CO₂-arm produzierten Langprodukten reagieren.
Die SMS group begleitet das Projekt neben Anlagenbau und Automation mit einem Lifecycle-Konzept. Dazu gehören Unterstützung vor Ort sowie die Planung von Verbrauchsmaterialien und Ersatzteilbeständen. Die Erfahrungen aus der ersten CMT-550-Anlage sollen dazu beitragen, das Anlaufrisiko der zweiten Linie zu reduzieren und den Produktionshochlauf zu beschleunigen.
Foto: SMS group