Der Weltstahlverband worldsteel erwartet für 2026 eine nahezu unveränderte globale Stahlnachfrage von 1,722 Milliarden Tonnen. Für 2027 prognostiziert der Worldsteel-Ausblick ein Wachstum um 1,7 Prozent auf 1,752 Milliarden Tonnen. Damit fällt die Erholung langsamer aus als noch im Frühjahr angenommen. Im April hatte worldsteel für 2027 ein Plus von 2,2 Prozent erwartet.
Die Entwicklung unterscheidet sich deutlich nach Regionen. Während die Stahlnachfrage in China 2026 um 2,0 Prozent und 2027 um weitere 1,0 Prozent zurückgehen dürfte, erwartet worldsteel für Indien Zuwächse von 7,9 beziehungsweise 8,0 Prozent. Außerhalb Chinas soll die Nachfrage 2027 insgesamt um 4,0 Prozent steigen.
Für die Europäische Union rechnet worldsteel nach einem Rückgang um 0,3 Prozent im Jahr 2026 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent im Jahr 2027. In den Industrieländern insgesamt wird für 2027 ein Plus von 2,2 Prozent erwartet. Allerdings lag ihre Stahlnachfrage 2025 noch rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2017/2018. Die Erholung erfolgt damit von einer niedrigen Ausgangsbasis.
Worldsteel-Ausblick: Deutschland wächst von niedrigem Niveau
Auch für Deutschland prognostiziert der Worldsteel-Ausblick steigende Nachfragezahlen. Nach 29,2 Millionen Tonnen im Jahr 2025 soll der Stahlverbrauch 2026 um 3,8 Prozent auf 30,3 Millionen Tonnen und 2027 um weitere 6,0 Prozent auf 32,1 Millionen Tonnen steigen. Trotz dieser Zuwächse bleibt die Nachfrage nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl auf einem niedrigen Niveau. Im Ranking der größten Stahlnachfrageländer dürfte Deutschland 2027 auf Platz acht liegen. Im Jahr 2017 belegte es noch Rang sechs.
„Der Ausblick von worldsteel macht deutlich, dass von einer echten Entwarnung für die Industrie in Deutschland keine Rede sein kann. Die prognostizierte Erholung geht von einem historisch niedrigen Niveau aus“, erklärt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Entscheidend sei, dass aus den erwarteten Zuwächsen eine nachhaltige Trendwende werde.
WV Stahl fordert schnellere Investitionen und Handelsschutz
Eine wichtige Rolle spielen aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl die geplanten Infrastrukturinvestitionen. Damit diese die Stahlnachfrage stärken könnten, müssten die Mittel zügig in konkrete Projekte fließen. Zugleich fordert der Verband, bei öffentlichen Investitionen europäische Wertschöpfung stärker zu berücksichtigen.
Darüber hinaus verweist die WV Stahl auf den anhaltenden internationalen Wettbewerbsdruck. Angesichts der rückläufigen Nachfrage in China hält sie wirksamen europäischen Handelsschutz für notwendig, um Handelsumlenkungen und unfairem Wettbewerb entgegenzuwirken. Weitere zentrale Forderungen sind wettbewerbsfähige Strompreise und verlässliche Rahmenbedingungen für die industrielle Produktion.
Die erwartete Erholung der Stahlnachfrage bleibt damit mit Unsicherheiten verbunden. Worldsteel verweist insbesondere auf geopolitische Risiken und mögliche weitere Störungen an den Energiemärkten.
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