Der Technologiekonzern Google und der schwedische Stahlhersteller Stegra haben eine Vereinbarung über den Kauf von Umweltzertifikaten (Environmental Attribute Certificates, EACs) geschlossen. Die Zertifikate beziehen sich auf bis zu 91.000 Tonnen Stahl aus dem ersten Produktionsjahr des neuen Stegra-Werks im nordschwedischen Boden. Für die weitere Laufzeit der Vereinbarung ist eine Ausweitung der Mengen vorgesehen.
Google erwirbt dabei nicht den physischen Stahl, sondern die mit dessen Produktion verbundenen Umweltattribute. Das sogenannte Book-and-Claim-Modell trennt damit den Materialfluss von den Umweltzertifikaten. Google will die EACs nutzen, um stahlbezogene Emissionen aus den eigenen Aktivitäten zu adressieren, darunter beim Bau von Rechenzentren.
Google setzt auf Zertifikate für nahezu emissionsfreien Stahl
Stegra errichtet in Boden ein integriertes Stahlwerk, das erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff anstelle von Kohle einsetzen soll. Der Wasserstoff wird mit Eisenerz zur Erzeugung von Eisen genutzt. Nach Angaben von Stegra kann der Produktionsweg die Emissionen gegenüber der konventionellen Hochofenroute um bis zu 95 Prozent reduzieren. Der produzierte Stahl soll laut Google die Definition der Internationalen Energieagentur (IEA) für eine nahezu emissionsfreie Stahlproduktion erfüllen.
Mit dem Erwerb der Zertifikate will Google die Nachfrage nach emissionsarm produzierten Baustoffen unterstützen. Nach Angaben des Konzerns könnten solche Materialien dazu beitragen, die mit der Herstellung von Baustoffen verbundenen Emissionen seiner Rechenzentrumsinfrastruktur um bis zu 40 Prozent zu reduzieren. Im Jahr 2025 setzte Google nach eigenen Angaben bereits bei mehr als 20 Bauprojekten CO₂-armen Beton, Stahl oder eine Kombination aus beiden Materialien ein.
Book-and-Claim trennt Stahl und Umweltattribute
Eine Besonderheit der Vereinbarung ist die Trennung zwischen dem physischen Stahl und dessen Umweltattributen. Der von Stegra produzierte Stahl kann an einen anderen Abnehmer geliefert werden, während Google separat die dazugehörigen EACs erhält. Das Modell soll Unternehmen den Zugang zu den Umweltattributen emissionsarmen Stahls ermöglichen, wenn eine direkte Beschaffung des physischen Materials beispielsweise aufgrund geografisch oder innerhalb der Wertschöpfungskette getrennter Lieferketten schwierig ist.
Um eine Doppelzählung der vermiedenen Emissionen zu verhindern, soll der Käufer des physischen Stahls nach Angaben von Stegra verpflichtet werden, für diese Mengen keine entsprechenden Umwelt- beziehungsweise „grünen“ Claims geltend zu machen. Die Umweltattribute werden stattdessen separat über die EACs an Google übertragen.
Stegra nutzt Book-and-Claim für Non-Prime-Stahl
Stegra will das Book-and-Claim-Modell auf sogenannten Non-Prime-Stahl anwenden. Nach Angaben des Unternehmens fällt ein gewisser Anteil solcher Mengen in jedem Stahlwerk an. Während des Hochlaufs eines neuen Werks sei der Anteil jedoch größer. Der Non-Prime-Stahl werde mit demselben Produktionsverfahren hergestellt wie die übrigen Mengen des Werks – im Fall von Stegra unter Einsatz von grünem Wasserstoff und erneuerbarem Strom.
Warum einzelne Mengen als Non-Prime-Stahl eingestuft werden, erläutert Stegra in der Mitteilung nicht näher. Die Vereinbarung ermöglicht es dem Unternehmen jedoch, die Umweltattribute dieser Mengen unabhängig vom physischen Stahl zu vermarkten. Nach Angaben von Stegra soll der Verkauf der Zertifikate zudem den Cashflow während der ersten Betriebsjahre und beim Hochlauf der Produktion erhöhen.
Google unterstützt Hochlauf des neuen Stahlwerks
Stegra sieht in Umweltzertifikaten neben der direkten Beschaffung von emissionsarmem Stahl einen zusätzlichen Ansatz zur Finanzierung und Skalierung neuer industrieller Technologien. Nahezu emissionsfreier Stahl werde zunächst nur in begrenzten Mengen und an wenigen Standorten verfügbar sein. Book-and-Claim soll die Nachfrage nach dessen Umweltattributen von der physischen Verfügbarkeit des Materials am jeweiligen Standort entkoppeln.
Google verweist dabei auf vergleichbare Zertifikatsmodelle, die bereits für erneuerbaren Strom und nachhaltige Flugkraftstoffe eingesetzt werden. Der Konzern betrachtet Umweltzertifikate für Stahl als einen weiteren Ansatz, um die Nachfrage nach emissionsärmeren Technologien zu erhöhen und deren Skalierung zu unterstützen.
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