Metallrecycler in Deutschland berichten über erhebliche Probleme bei der Leerwagengestellung durch DB Cargo. In einer Kurzumfrage der Circular Metal Association (CMA) unter 79 Mitgliedsunternehmen wurde kein untersuchter Teilaspekt besser als mit der Schulnote 3,7 bewertet. Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum Januar bis Juni 2026.
Für den Schrott- und Metallhandel haben die Probleme unmittelbare Auswirkungen auf die Lieferketten. Recycelter Stahl wird insbesondere in der Elektrostahlroute eingesetzt, recycelte NE-Metalle gehen unter anderem an Umschmelzwerke und Gießereien. 82,2 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Lieferverträge wegen unzureichender oder unpünktlicher Waggongestellung nicht oder nur teilweise erfüllt haben zu können.
Probleme bei der Leerwagengestellung durch DB Cargo
Die Leerwagengestellung insgesamt bewerteten die Unternehmen im Durchschnitt mit der Schulnote 4,0. Die Stellung zugesagter oder bestätigter Mengen erreichte 3,9, die Information über ausbleibende, verspätete oder unvollständige Leerwagen 3,8 und die Pünktlichkeit 3,7.
Mehr als 60 Prozent der Befragten meldeten zudem eine deutliche Unterdeckung bei der Waggonbereitstellung. Bei 34,2 Prozent der Unternehmen blieben im Durchschnitt mehr als 30 Prozent der bestellten Waggons aus. Weitere 26,6 Prozent berichteten von einer Unterdeckung zwischen elf und 30 Prozent. Nur 3,8 Prozent erhielten nahezu alle bestellten Wagen.
Als größte Problemfelder nannten die Unternehmen zu wenige Leerwagen mit 68,4 Prozent sowie Personalmangel bei Bahn und Dienstleistern mit 62 Prozent. 49,4 Prozent berichteten von verspäteter Leerwagengestellung. Zu hohe Frachtraten nannten 48,1 Prozent der Befragten.
Mehr als 80 Prozent berichten von Problemen mit Lieferverträgen
Nach Angaben der CMA hat sich die Situation im laufenden Jahr weiter verschlechtert. 51,9 Prozent der Unternehmen berichteten von einer Verschlechterung seit Jahresbeginn 2026, 41,8 Prozent aller Befragten bezeichneten diese als deutlich. Eine Verbesserung stellten lediglich 10,1 Prozent fest.
„Wir reden hier nicht über ein paar schlechte Wochen. Die Unternehmen melden seit Jahren dasselbe Muster: Zugesagte Wagen kommen zu spät, unvollständig oder gar nicht“, sagt Andreas Schwenter, Vizepräsident der CMA. Nach Angaben des Verbands wurden die Probleme bereits mehrfach mit DB Cargo thematisiert.
Die Folgen reichen nach den Umfrageergebnissen bis in das operative Geschäft der Unternehmen. 71,4 Prozent nannten Ersatztransporte per Lkw, 67,5 Prozent zusätzlichen Dispositions- und Personalaufwand. Jeweils 64,9 Prozent berichteten von verspäteten Lieferungen beziehungsweise nicht vollständig erfüllten Verträgen. Belastete Kundenbeziehungen nannten 58,4 Prozent.
Auch finanzielle Auswirkungen werden gemeldet. 72,2 Prozent der Unternehmen berichteten von finanziellen Nachteilen oder zumindest teilweisen Nachteilen. Weitere 17,7 Prozent konnten die Schäden zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht beziffern. Wo konkrete Angaben vorlagen, reichten die gemeldeten Schäden bis in Größenordnungen von mehr als 500.000 Euro.
CMA sieht Verlagerung von Transporten auf die Straße
Nach Angaben der CMA wichen 71,4 Prozent der Befragten wegen der Probleme bei der Waggongestellung auf Ersatztransporte per Lkw aus. Der Verband sieht darin einen Widerspruch zum politischen Ziel, einen größeren Anteil des Güterverkehrs auf die Schiene zu verlagern.
„Jeder Lkw, den unsere Mitglieder ersatzweise beauftragen, ist Ladung, die von der Schiene auf die Straße wechselt“, sagt Schwenter. Aus Sicht des Verbands gefährdet eine dauerhaft unzuverlässige Waggongestellung damit auch die angestrebte Verkehrsverlagerung.
CMA fordert Kriterien für staatliche Förderung
Von DB Cargo fordert die CMA verbindliche Mengenzusagen, eine belastbare Kapazitäts- und Personalplanung sowie ausreichend geeignetes Wagenmaterial. Zudem verlangt der Verband eine frühzeitige Information, wenn bestellte Leerwagen nicht oder nur teilweise bereitgestellt werden können.
An die Politik richtet die CMA die Forderung, die Zuverlässigkeit des Einzelwagenverkehrs zu einer messbaren Bedingung staatlicher Förderung zu machen. Außerdem sollen nach Vorstellung des Verbands die Anforderungen der Rohstoff- und Recyclingindustrie stärker in der Schienengüterverkehrsstrategie berücksichtigt werden.
Foto: BDSV