Im Dezember 2024 gab ArcelorMittal Duisburg die Kündigung des Roheisenliefervertrags mit Thyssenkrupp Steel Europe mit Wirkung zum September 2027 bekannt. Als Grund nannte das Unternehmen erhebliche Kostensteigerungen bei der vorgeschlagenen Vertragsverlängerung. Nach Angaben der IG Metall gehen seit 1997 jährlich 750.000 Tonnen flüssiges Roheisen an ArcelorMittal Duisburg, das dort weiterverarbeitet wird.
ArcelorMittal Duisburg hat nach eigenen Angaben verschiedene Optionen für die künftige Roheisenversorgung sowie eine Dekarbonisierung der Stahlproduktion geprüft. Keine der untersuchten Möglichkeiten habe sich jedoch als wirtschaftlich tragfähig erwiesen. Auch der Bau eines Elektrolichtbogenofens am Standort Duisburg wurde geprüft. Nach Angaben der WAZ war dafür eine Investition von rund 300 Millionen Euro vorgesehen, die jedoch nicht umgesetzt wurde. Zuvor hatte ArcelorMittal bereits seine DRI-EAF-Pläne für die Flachstahlstandorte Bremen und Eisenhüttenstadt aufgegeben.
550 Arbeitsplätze bei ArcelorMittal Duisburg betroffen
Ohne eigene Roheisenversorgung und vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats will ArcelorMittal das Drahtwalzwerk in Duisburg künftig mit Halbzeugen beziehungsweise Knüppeln von anderen Standorten und externen Herstellern versorgen. Das Stahlwerk und das Knüppelwalzwerk sollen damit ab Oktober 2027 geschlossen werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten ist auch die Stranggießanlage von den Stilllegungsplänen betroffen. Rund 550 der derzeit etwa 830 Arbeitsplätze am Standort sollen wegfallen.
Mehrere ArcelorMittal-Standorte sowie externe Hersteller in Europa könnten nach Angaben des Konzerns den Großteil der benötigten Halbzeuge liefern. Auch ArcelorMittal Hamburg, das Stahl im DRI-EAF-Verfahren herstellt, soll Duisburg mit Knüppeln mit einem geringeren CO₂-Fußabdruck versorgen. Da ArcelorMittal Duisburg derzeit der Hauptlieferant von Halbzeugen für das Werk in Gandrange ist, soll der französische Standort künftig Halbzeuge von anderen ArcelorMittal-Werken sowie von externen Lieferanten beziehen.
„Wir sind uns bewusst, dass dies für unsere Mitarbeitenden bei ArcelorMittal Duisburg eine schwierige Nachricht ist“, sagt Sanjay Samaddar, CEO von ArcelorMittal Europe – Long Products. Das Unternehmen treibe nun die Pläne zur Versorgung des Drahtwalzwerks voran, „um die Kontinuität der Lieferungen für alle unsere Kunden über September 2027 hinaus sicherzustellen“.
Sozialplan für Beschäftigte soll verhandelt werden
Nach Angaben des WDR informierte ArcelorMittal die Beschäftigten am Dienstagmorgen über die Schließungspläne. Während die Frühschicht direkt informiert worden sei, hätten andere Beschäftigte per E-Mail davon erfahren. Ein Mitarbeiter sagte dem Sender, die Belegschaft sei von der Nachricht „völlig überrascht“ worden. Der Betriebsrat beriet noch am Dienstag über die Pläne. Für Montag, 7. September, sind zwei Betriebsversammlungen angekündigt. Die Gespräche über einen Sozialplan sollen im September beginnen.
Foto: ArcelorMittal Duisburg