Mongolei will eigene Stahl- und Metallindustrie aufbauen

Die Mongolei will die Weiterverarbeitung ihrer Rohstoffe im eigenen Land ausbauen und investiert dazu in neue Industrieprojekte.
Die Mongolei will ihre umfangreichen Rohstoffvorkommen künftig stärker im eigenen Land verarbeiten. Milliardeninvestitionen in Stahl-, Kupfer-, Gold- und Uranprojekte sollen die industrielle Wertschöpfung erhöhen und eröffnen nach Einschätzung von GTAI auch Chancen für deutsche Technologieanbieter.

Bislang exportiert die Mongolei den Großteil ihrer Rohstoffe – darunter vor allem Kohle, Kupfererz und Kupferkonzentrat – nach China. Das soll sich ändern. Mit milliardenschweren Projekten treibt die Regierung den Aufbau einer eigenen verarbeitenden Metallindustrie voran. Davon könnten nach Ansicht von Germany Trade & Invest (GTAI), der Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland, auch deutsche Technologieanbieter profitieren.

Die steigenden Weltmarktpreise für Kupfer und Kohle haben der mongolischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren zusätzliche Impulse verliehen. Diesen finanziellen Spielraum nutzt die Regierung nun, um die Wertschöpfung im eigenen Land zu erhöhen. Den Auftakt bilden Investitionen in die Kupfer- und Stahlverarbeitung.

Neue Stahlhütte soll die Importabhängigkeit der Mongolei verringern

Für die Stahlbranche ist insbesondere der Bau einer neuen Hütte auf Basis der bestehenden Darkhan Metallurgical Plant (DMP) von Bedeutung. Das Investitionsvolumen soll etwas über 800 Millionen US-Dollar betragen. Geplant ist eine Jahreskapazität von einer Million Tonnen Stahlerzeugnissen, darunter Bewehrungsstahl, Stahlknüppel und Mahlkugeln. Damit könnten künftig bis zu 70 Prozent des Inlandsbedarfs gedeckt werden. Der Stahlverbrauch der Mongolei lag 2025 bei rund einer Million Tonnen und könnte Schätzungen der Regierung zufolge bis 2030 auf 1,7 Millionen Tonnen steigen. Bislang ist das Land bei Stahlerzeugnissen weitgehend auf Importe angewiesen. Zur Versorgung des Werks soll der Eisenerzabbau in der Khust-Uul-Mine ausgeweitet werden. Das Auswahlverfahren für Investoren läuft seit Frühjahr 2026, noch im Laufe des Jahres soll ein Investor bestimmt werden.

Chinesischer Anlagenbauer errichtet Kupferschmelze

Auch bei Kupfer setzt die Mongolei auf eine stärkere Weiterverarbeitung im eigenen Land. Im Ausschreibungsverfahren für die geplante Kupferschmelze setzte sich der chinesische Anlagenbauer China Nonferrous Metal Industry’s Foreign Engineering and Construction (NFC) durch.

NFC will mehr als 700 Millionen US-Dollar investieren. Der neue Kupferkomplex soll jährlich 120.000 Tonnen Kathodenkupfer erzeugen. Das benötigte Kupfer sollen Lagerstätten des staatlichen Bergbaukonzerns Erdenet liefern. Wichtigster Absatzmarkt dürfte weiterhin China bleiben, wo Kupfer insbesondere für den Ausbau der Elektromobilität und der Energiewirtschaft benötigt wird.

Goldprojekt eröffnet Chancen für deutsche Technologieanbieter

Auch ein Verarbeitungskomplex für Gold steht erneut auf der Agenda. Die Planungen wurden aufgrund des gestiegenen Goldpreises wieder aufgenommen. Nach Angaben des Industrie- und Rohstoffministeriums laufen die Vorbereitungen für eine Ausschreibung im Sommer 2026, die Investitionskosten werden auf rund 70 Millionen US-Dollar geschätzt.

Vertreter des Ministeriums informierten sich zuletzt in Deutschland über verfügbare Technologien und Produktionsverfahren. Neben Gold und Silber sollen durch die Weiterverarbeitung metallurgischer Schlacken auch Platin und Palladium gewonnen werden. Die Anlage könnte bereits 2027 im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft den Betrieb aufnehmen.

Frankreichs Orano investiert in Uranprojekt

Internationale Aufmerksamkeit erhielt die Investitionsvereinbarung zwischen der mongolischen Regierung und dem französischen Konzern Orano zur Förderung und Verarbeitung von Uran. Orano plant Investitionen von 1,6 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung der Zuuvch-Ovoo-Mine in der Wüste Gobi. Laut Medienberichten begannen die Bauarbeiten im Juni 2026 und die Umsetzung dürfte mindestens bis 2030 dauern.

Laut der World Nuclear Association verfügt die Mongolei über bedeutende Uranvorkommen. Das Uran soll mittels In-situ-Recovery-Verfahren (ISR) gewonnen werden. Dabei stehen hydrometallurgische Prozesse stärker im Vordergrund als der klassische Erzbergbau. Die Einbindung von Orano in europäische Lieferketten könnte den Markteintritt für deutsche Unternehmen erleichtern. Gefragt sind unter anderem Prozesschemikalien, Industriepumpen sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik (MSR).

Foto: Uuganbayar Otgonbayar/Pexels.com

Diesen Post teilen

Inhaltsverzeichnis

Stahlwissen kompakt – Fakten, Trends, Vorsprung

Mit unserem wöchentlichen Newsletter sind Sie immer up-to-date.