Die Rohstahlproduktion in Deutschland ist im Januar 2026 kräftig gestiegen. Mit etwa 3,08 Millionen Tonnen lag die Erzeugung um 15 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Besonders die Oxygenstahl-Route hat zu diesem Wert beigetragen, denn hier lag das Plus im Jahresvergleich bei satten 19,3 Prozent. Das entspricht einer Menge von 2,21 Millionen Tonnen. Etwas niedriger fiel das Plus beim Elektrostahl aus. Die ausgebrachte Menge von 870.000 Tonnen bedeutet ein Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Januar 2025.
Von einer nachhaltigen Trendwende kann aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl jedoch keine Rede sein. Der Interessenverband der hiesigen Stahlindustrie verweist dabei auf die Zahlen der vergangenen zehn Jahre. Was er damit konkret meint: Trotz des aktuellen Anstiegs liegt die Produktion weiterhin rund fünf Prozent unter dem Durchschnitt dieses Zeitraums. Die Branche bewegt sich damit nach wie vor unter ihrem langjährigen Niveau.
Der Blick auf die Zahl unter dem Strich verdeckt aber den Blick auf die Details. Die Situation bei der bereits heute vergleichsweisen CO2-armen Elektrostahlproduktion bleibe nämlich „besonders angespannt“. Trotz des spürbaren relativen Wachstums unterschreitet die aktuelle Erzeugung den Zehnjahresdurchschnitt um etwa sechs Prozentpunkte mehr, also um rund elf Prozent.
Rohstahlproduktion in Deutschland zuletzt sechsmal unter der Auslastungsschwelle
Die einfache Hochrechnung des Januar-Outputs auf das Gesamtjahr ergibt 37 Millionen Tonnen, die optimistische Übertragung des Anstiegs zum Jahresauftakt auf das Ergebnis des Vorjahres liefe auf eine Produktion von 39,2 Millionen hinaus. Gegenüber der Stahlproduktion in Deutschland 2025 wäre beides eine positive Entwicklung. Mit 34,1 Millionen Tonnen lag die Rohstahlerzeugung schließlich rund 9 Prozent unter einem ohnehin bereits niedrigen Vorjahresniveau. Bereits zum vierten Mal in Folge blieb die Produktion deutlich unter der Marke von 40 Millionen Tonnen, die als Schwelle für eine auskömmliche Kapazitätsauslastung gilt. Seit 2018 wurde diese Grenze insgesamt sechsmal unterschritten. Die Branche verharrte damit auf Rezessionsniveau – was auch bei einem Gesamtplus von 15,5 Prozent noch knapp der Fall wäre.
Zudem fiel 2025 die Stahlnachfrage auf dem deutschen Markt nach vorläufigen Daten bis Oktober außergewöhnlich schwach aus. Mit auf das Jahr hochgerechneten rund 30 Millionen Tonnen lag auch die Marktversorgung nochmals unter dem schon niedrigen Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Zugleich fiel die Kapazitätsauslastung auf unter 70 Prozent – ein kritischer Wert für die energieintensive Stahlindustrie.
Vor diesem Hintergrund konstatierte Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der WV Stahl, bei der Vorstellung der Jahreszahlen: „Das Jahr 2026 muss das Jahr der Standortsicherung werden!“
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