Am 9. Oktober 2026 unterzeichneten die Companhia Siderúrgica Nacional (CSN) und Bipadosa S.L., die Holdinggesellschaft der spanischen Megasa-Gruppe, ein Term Sheet über den möglichen Verkauf der Stahlwerk Thüringen GmbH. Bereits zu Jahresbeginn hatte der Vorstand von CSN angekündigt, strategische Optionen zur langfristigen finanziellen Stabilisierung des Konzerns zu prüfen. Für die weiteren Verhandlungen gilt eine Exklusivitätsfrist von bis zu zehn Wochen. Ein möglicher Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen.
Mit der Megasa-Gruppe bringt sich ein europäischer Stahlproduzent für die Übernahme in Stellung. Das spanische Unternehmen ist auf Langstahlprodukte spezialisiert und betreibt Produktionsstandorte in Spanien, Portugal und Frankreich.
Stahlwerk Thüringen blickt auf mehr als 150 Jahre zurück
Ein Eigentümerwechsel wäre für das Stahlwerk Thüringen kein Novum, sondern würde sich in die von Umbrüchen und technologischen Veränderungen geprägte Geschichte des Standorts einfügen. Die Wurzeln des Hüttenstandorts Unterwellenborn reichen bis ins Jahr 1872 zurück, als der Bau einer Hüttenanlage der Maximilianshütte genehmigt wurde. Aus der einstigen „Maxhütte“ entwickelte sich über Jahrzehnte ein bedeutender Industriestandort der Region.
Nach der DDR-Zeit brachte die Wiedervereinigung einen tiefgreifenden Technologiewechsel mit sich: 1992 übernahm die luxemburgische Arbed den Standort und gründete die Stahlwerk Thüringen GmbH. Im Zuge einer umfassenden Modernisierung wurden die alten Hochöfen und das Blasstahlwerk stillgelegt. 1995 ging ein neues Elektrostahlwerk in Betrieb, in dem Stahlschrott im Elektrolichtbogenofen eingeschmolzen wird.
Vom Arcelor-Konzern zur brasilianischen CSN
In den folgenden Jahrzehnten spiegelte die Eigentümerstruktur der Stahlwerk Thüringen GmbH die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie wider. Nach der Fusion von Arbed, Aceralia und Usinor gehörte das Werk ab 2001 zu Arcelor. Kartellrechtliche Anforderungen im Zuge des Zusammenschlusses von Arcelor und Mittal Steel führten 2006 zum Wechsel zur spanischen Alfonso-Gallardo-Gruppe. Im Februar 2012 wurde das Werk Teil der brasilianischen CSN-Gruppe.
CSN wurde 1941 als staatseigenes Stahlunternehmen in Brasilien gegründet und 1993 privatisiert. Sollte die geplante Transaktion mit der Megasa-Gruppe zustande kommen, würde das Thüringer Elektrostahlwerk erneut einen europäischen Eigentümer erhalten.
Foto: Stahlwerk Thüringen GmbH