SMS und Golden Aluminum industrialisieren Nexcast

Jeff Frim (Golden Aluminum, links) und Markus Fischer (SMS group) erläuterten auf der Aluminium 2026 in Düsseldorf die Entwicklung und den industriellen Einsatz der Nexcast-Technologie.
SMS group und Golden Aluminum haben gemeinsam eine kompakte Anlage zur Herstellung von Aluminium-Warmband entwickelt. Die Nexcast-Technologie verbindet kontinuierliches Gießen mit anschließendem Warmwalzen und ist seit Sommer 2025 erfolgreich im industriellen Einsatz.

Mit der Nexcast-Technologie haben die SMS group und das US-amerikanische Unternehmen Golden Aluminum die Herstellung von Aluminium-Warmband vereinfacht. Flüssiges Aluminium wird kontinuierlich zu einem Band gegossen und unmittelbar anschließend warmgewalzt. Die gesamte Produktionslinie vom flüssigen Metall bis zum Warmbandcoil ist rund 55 Meter lang.

Ein wesentliches Merkmal der Technologie ist die bewegliche Kupferkokille. In Verbindung mit hohen Abkühlraten soll das Gießverfahren auch die Verarbeitung anspruchsvoller, höherlegierter Aluminiumgüten ermöglichen. Herkömmliche kontinuierliche Gießverfahren sind bei solchen Legierungen aufgrund metallurgischer Einschränkungen nur begrenzt einsetzbar. Golden Aluminum verarbeitet unter anderem die magnesiumreiche Legierung AA5182, die beispielsweise für Verpackungsanwendungen genutzt wird.

Weniger Prozessschritte bei der Warmbandherstellung

Im Vergleich zur konventionellen Produktionsroute über gegossene Walzbarren entfallen bei Nexcast mehrere Bearbeitungsschritte. Dazu zählen das Sägen und Fräsen der Barren, ihre Zwischenlagerung und Wiedererwärmung sowie Teile des aufwendigen Warmwalzprozesses. Dadurch lassen sich nach Angaben der Entwicklungspartner Investitionsbedarf, Energieverbrauch und Flächenbedarf signifikant reduzieren. Dies erläuterten Jeff Frim (Golden Aluminum) sowie Markus Fischer und Michael Schäfer (beide SMS group) bei einem Panel Talk auf der Fachmesse Aluminium am 6. Oktober 2026.

Die Technologie eignet sich nach Angaben der Entwicklungspartner sowohl für Primäraluminium als auch für Recyclingmaterial. Golden Aluminum setzt in seiner Produktion mehr als 80 Prozent Schrott aus Altprodukten ein. Das Unternehmen beziffert die mögliche Verringerung der CO₂-Intensität durch den Nexcast-Prozess auf rund 60 Prozent und die Einsparung beim Prozesswasser auf etwa 86 Prozent.

Nexcast seit Sommer 2025 bei Golden Aluminum im industriellen Einsatz

Die erste Nexcast-Anlage wurde am Standort Fort Lupton im US-Bundesstaat Colorado installiert. Sie ersetzt einen älteren Blockgießer, der seit Jahrzehnten das Zentrum der dortigen Warmbandproduktion bildete. Für die Modernisierung entwickelten SMS group und Golden Aluminum das bestehende Anlagenkonzept gemeinsam weiter.

Der Austausch des Gießaggregats gelang nach Unternehmensangaben innerhalb von zwei Wochen. Vier Wochen nach Beginn der Installationsarbeiten wurde die Produktion wieder aufgenommen. Bereits im ersten Betriebsmonat erreichte die Linie ihre volle Produktionsleistung. Nach Angaben der Entwicklungspartner wurden Gießkampagnen von bis zu 60 Stunden sowie Legierungswechsel während des laufenden Betriebs erreicht.

Golden Aluminum berichtet zudem über weniger Rand- und Oberflächenrisse, eine höhere Ausbringung und einen verbesserten Durchsatz in nachgelagerten Produktionsschritten. Bis 2028 soll die Fertigproduktausbringung gegenüber dem bisherigen Niveau um 25 Prozent steigen.

Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme und Abnahme im August 2025 bietet SMS group die Technologie auch weiteren Aluminiumproduzenten an. Das Unternehmen sieht insbesondere bei kompakten Produktionsstandorten mit hohem Recyclinganteil Einsatzmöglichkeiten.

Foto: Torsten Paßmann (mit KI optimiert)

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