JSW Steel treibt den Ausbau seiner Stahlproduktion in Indien mit zwei Großprojekten voran. Primetals Technologies hat am Standort Toranagallu von JSW Vijayanagar Metallic Limited (JVML) im Bundesstaat Karnataka ein neues Stahlwerk mit zwei LD-Konvertern und zwei Brammenstranggießanlagen in Betrieb genommen. Gleichzeitig beauftragte JSW Steel den Anlagenbauer mit zwei Pelletieranlagen für den Standort Paradeep im Bundesstaat Odisha.
Das neue Stahlwerk in Toranagallu verfügt über zwei LD-Konverter mit einer Kapazität von jeweils 350 Tonnen, zwei 350-Tonnen-Pfannenöfen und zwei zweisträngige Brammenstranggießanlagen. Primetals Technologies lieferte außerdem die primären und sekundären Entstaubungsanlagen sowie Automatisierungslösungen der Level 1 und 2 für Konverter, Pfannenöfen und Stranggießanlagen.
JSW Steel setzt auf Trockenentstaubung bei LD-Konvertern
Der erste Konverter ging im Dezember 2024 in Betrieb und erreichte bereits im ersten Betriebsmonat mehr als 20 Schmelzen pro Tag. Insgesamt überschritt er im ersten Monat die Marke von 400 Schmelzen. In der ersten Zustellungskampagne erreichte er mehr als 6.000 Schmelzen. Der zweite Konverter folgte im August 2025 und produzierte am sechsten Tag nach der Inbetriebnahme mehr als 20 Schmelzen pro Tag. Für beide Konverter sowie die zugehörigen Pfannenöfen und Stranggießanlagen hat Primetals Technologies inzwischen die Endabnahmebescheinigungen erhalten.
Nach Angaben des Anlagenbauers kamen bei dem Projekt erstmals in Indien 350-Tonnen-Konverter mit einem primären Trockenentstaubungssystem zum Einsatz. Die Lösung kombiniert eine dampfbasierte Wärmerückgewinnung mit einem trockenen Elektrofilter und energiesparenden Axial-Saugzugventilatoren. Sie soll den Wasserverbrauch senken und die Energieeffizienz erhöhen. Eine Gasreinigungsanlage mit Gasrückgewinnung ergänzt das System.
Zur Automatisierung gehört der BOF Optimizer zur Prozessoptimierung. Zusammen mit dem Lomas-Abgasanalyse-System soll er unter anderem die Trefferraten bei Kohlenstoffgehalt und Stahltemperatur verbessern und die Nachblasrate reduzieren. An den Pfannenöfen kommt das automatische Elektrodenregelsystem Melt Expert zum Einsatz.
Die beiden zweisträngigen Brammenstranggießanlagen erzeugen Brammen mit Breiten von 900 bis 1.650 Millimetern und Dicken von 220 oder 260 Millimetern. Das Gütespektrum reicht von Stählen mit ultraniedrigem bis hohem Kohlenstoffgehalt und umfasst unter anderem Tiefzieh- und Baustähle, peritektische Stähle, HSLA-Stähle sowie Elektrobandstahl mit hohem Siliziumgehalt.
Zwei Pelletieranlagen für JSW Steel in Paradeep
Parallel zum abgeschlossenen Projekt in Toranagallu hat JSW Steel Primetals Technologies mit zwei Pelletieranlagen für Paradeep beauftragt. Jede Anlage ist für eine Jahreskapazität von 8 Millionen Tonnen ausgelegt. Zusammen sollen sie damit eine Pelletierkapazität von 16 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen und das Kapazitätsausbauprogramm des Stahlherstellers unterstützen.
Primetals Technologies übernimmt das vollständige Anlagendesign und Engineering, liefert die wesentliche Prozessausrüstung und Prozessautomatisierung und unterstützt Bau und Umsetzung mit Überwachungsleistungen. Das Anlagenkonzept basiert auf einem Brennofen mit einer Fläche von 816 Quadratmetern. Das standardisierte Konzept soll nach Angaben des Anlagenbauers auch weitere Kapazitätserweiterungen in Paradeep und an anderen Standorten von JSW Steel ermöglichen.
Für die Prozessführung sind intelligente Sensoren und Modelle zur prädiktiven Regelung vorgesehen. Das Level-2-Automatisierungssystem umfasst den Pelletizing Optimizer, der den Herstellungsprozess der Rohpellets automatisch anpasst. Ziel sind eine gleichmäßige Größenverteilung und konstante Pelletqualität.
JSW Steel und Primetals Technologies wollen auch nach der Inbetriebnahme der neuen Anlagen gemeinsam an Verbesserungen des Pelletierprozesses arbeiten. Beide Unternehmen haben dazu eine langfristige Technologiepartnerschaft vereinbart.
Foto: Primetals Technologies