Insolvenztrend zeigt Höchststand bei Firmenpleiten seit 2005

Der IWH-Insolvenztrend zeigt den höchsten Wert seit 2005 an. Das Bild zeigt einen depressiven Geschäftsmann.
Der Insolvenztrend des IWH zeigt für das erste Quartal 2026 einen deutlichen Anstieg der Firmenpleiten. Die Zahl der Insolvenzen erreicht den höchsten Stand seit über 20 Jahren und liegt deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.
IWH-Insolvenztrend: Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland (Stand: 9. April 2026)
Abb. 1: Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland (Stand: 09.04.2026)

Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer heute veröffentlichten Analyse feststellt, stieg die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im März überraschend deutlich an. Im ersten Quartal 2026 gab es so viele Firmenpleiten wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr.

Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im März bei 1.716 (vgl. Abbildung 1). Das sind 17 Prozent mehr als im Februar, 18 Prozent mehr als im März 2025 und 71 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen März der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Zuletzt lag die monatliche Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften im Juni 2005 höher.

Weniger Großinsolvenzen, mehr kleinere Firmen sowie Baugewerbe und Handel betroffen

IWH-Insolvenztrend: Zahl der betroffenen Beschäftigten in den größten 10% der insolventen Unternehmen in Deutschland (Stand: 9. April 2026)
Abb. 2: Zahl der betroffenen Beschäftigten in den größten 10% der insolventen Unternehmen in Deutschland (Stand: 09.04.2026)

Eine branchenspezifische Aufschlüsselung für insolvente Personen- und Kapitalgesellschaften wird vom Statistischen Bundesamt nicht veröffentlicht; entsprechende Daten werden vom IWH seit Januar 2020 erhoben. Im März 2026 wurden die höchsten jemals gemessenen Werte im Baugewerbe, im Handel und in den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen erfasst. Regionale Höchstwerte (seit 2020) gab es im März in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im März in den größten 10 Prozent der insolventen Unternehmen etwa 14.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten 40 Prozent unter dem Vormonatswert und 15 Prozent unter dem Niveau von März 2025, aber 77 Prozent über dem Durchschnitt eines typischen März der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (vgl. Abbildung 2). Der starke Zuwachs bei der Anzahl der Insolvenzen geht somit auf eine Häufung von Pleiten kleinerer Unternehmen zurück.

Insolvenztrend erreicht höchsten Quartalswert seit 2005

Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Das ist der höchste Stand seit dem dritten Quartal 2005, und somit liegen die Insolvenzzahlen auch höher als im Zuge der großen Finanzkrise 2009. Insgesamt waren etwa 54.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen, der höchste Wert seit dem dritten Quartal 2020 (damals u. a. große Unternehmen wie Esprit, Vapiano und Wirecard). Wie in den Vorquartalen entfiel auch im ersten Quartal 2026 der größte Anteil der betroffenen Arbeitsplätze auf das Verarbeitende Gewerbe mit rund 16.000 Jobs.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Die Frühindikatoren sind in den vergangenen Monaten kontinuierlich angestiegen und erreichten im Februar und März ungewöhnlich hohe Werte. „Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Wir erwarten weiterhin sehr hohe Insolvenzzahlen. Es ist möglich, dass sich die sehr hohen Werte aus dem März wiederholen.“

Hintergrund, Daten, Methodik zum IWH-Insolvenztrend

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl. Abbildung 3).

Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen für Kapital- und Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90 Prozent der von Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95 Prozent der Forderungen. Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.

Auch die amtliche Statistik weist monatlich vorläufige Insolvenzzahlen aus. Diese beziehen sich jedoch auf alle Regelinsolvenzen. Regelinsolvenzen umfassen neben den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Zudem werden auch bestimmte natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende Gesellschafter und Einzelunternehmer gemeldet.

Regelinsolvenzen sind also nicht mit Unternehmensinsolvenzen gleichzusetzen. Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbedeutender Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.

Autor: Rafael Barth, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Foto: Miha Creative /Shutterstock.com

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