Die traditionelle, auf kohlebasierten Hochöfen beruhende Stahlproduktion verursacht erhebliche Emissionen. Daher verlagert sich die Produktion zunehmend hin zu einem Modell, das auf Elektrizität, Recyclingstahl und wasserstoffbasierte Prozesse setzt. Im Juni 2026 ist in Nordeuropa das auf drei Jahre angelegte angelegte und von der Universität Oulu sowie SSAB geleitete Forschungsprojekt „Future Sustainable Electric Steel Mill“ (FutSteel) gestartet. Es zielt darauf ab, die gesamte Wertschöpfungskette der Stahlproduktion durch die Kombination von Elektroofentechnologie (Electric Arc Furnace, EAF) und modernisierten Warmwalzprozessen weiterzuentwickeln. Weitere Partner sind unter anderem das Technical Research Centre of Finland (VTT) und die Åbo Akademi Universität aus der Forschung sowie Hycamite, Otanmäki Mine und Carbo Culture aus der Industrie.
Hycamite setzt auf Wasserstoff und Kohlenstoffprodukte
Matti Malkamäki, Chief Executive Officer (CEO) von Hycamite, einem Hersteller von emissionsfreiem Wasserstoff und hochwertigen Kohlenstoffprodukten, erklärt: „Wenn Wasserstoff emissionsfrei aus Methan gewonnen wird, können die Produktionskosten deutlich gesenkt werden, und Wasserstoff kann schnell in den für die Stahlindustrie erforderlichen großen Mengen bereitgestellt werden.“ Niina Grönqvist, Leiterin des Bereichs Carbon Products bei Hycamite, ergänzt: „Für die Herstellung von CO2-armem Stahl besteht weiterhin Bedarf an emissionsfreien Kohlenstoffprodukten. Kohlenstoff wird nach wie vor für das Schlackenaufschäumen in Elektroofenanlagen sowie für Legierungsprozesse benötigt.“
Laura Rahikka, Chief Operating Officer (COO) von Hycamite, führt weiter aus: „Die Technologie von Hycamite benötigt grundsätzlich nur etwa ein Achtel der Energie, die bei der Elektrolyse zur Wasserstoffproduktion erforderlich ist. Ein Großteil dieser Energie kann aus der Abwärme des Stahlwerks gewonnen werden.“
FutSteel verbindet Elektroofen und Warmwalzen
Das FutSteel-Projekt entwickelt ein neues Modell, in dem die Elektroofentechnologie auf innovative Weise in die bestehende Warmwalz-Produktionskette integriert wird. Gleichzeitig wird untersucht, wie sich elektrische Stahlherstellung mit modernen Walzprozessen kombinieren und mit fossilfreien Energielösungen betreiben lässt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sicherstellung der Stahlqualität sowie darauf, wie sich neue elektrische und CO2-arme Verfahren auf die Produktion anspruchsvoller Spezialstähle übertragen lassen. Hycamite war bereits am Vorgängerprojekt Towards Fossil-Free Steel Phase 2 (FFS2) beteiligt.