Hürden beim KI-Einsatz überwinden

Chip mit Gehirn-Design, im Artikel geht es um den KI-Einsatz im Stahl.
Die erzeugende wie verarbeitende Stahlindustrie steht unter hohem Transformationsdruck: Energiekosten, Klimaziele, Lieferkettenrisiken und der Fachkräftemangel erfordern neue Lösungen. Künstliche Intelligenz kann Prozesse beschleunigen und Mitarbeitende entlasten. Doch dafür müssen Unternehmen alte Systeme modernisieren, Teams qualifizieren und Vorbehalte abbauen. Fünf Hürden – und wie sie sich überwinden lassen.

In fünf Schritten zur spürbaren Entlastung

Die folgenden fünf Schritte orientieren sich an einem bewährten Vorgehen für datengetriebene Projekte (CRISP-DM – Cross-Industry Standard Process for Data Mining). Übersetzt für den Betrieb heißt das: Problem präzisieren, Daten auffindbar machen, im Pilot messen, Mitarbeitende befähigen und anschließend skalieren. Das Ergebnis: weniger Nacharbeit, schnellere Durchlaufzeiten und eine verlässliche Dokumentation.

1. Das Problem präzise definieren
Nicht „KI irgendwo einsetzen“, sondern einen klar umrissenen Fall lösen: z. B. Zertifikate schneller bereitstellen, Rückfragen reduzieren oder Schichtübergaben systematisch dokumentieren.

2. Daten auffindbar machen
Relevante Informationen zusammenführen und zugänglich machen: Auftragsdaten, Chargen, Prüfberichte, Zertifikate. Festlegen, wer welche Daten liefert, wo sie liegen und wer freigibt. Erst wenn die Daten verlässlich fließen, kann KI Arbeit abnehmen.

3. Mit einem Pilotprojekt beginnen und Wirkung messen
Klein starten (z. B. ein definierter Dokumentenprozess), ein messbares Ziel setzen (Zeit, Fehler, Kosten) und kurzfristig prüfen, ob die Lösung den gewünschten Effekt hat. Wird das Ziel erfüllt, wird das Projekt weitergeführt.

4. Mitarbeitende befähigen
Aufgabenbezogen schulen (Schichtführung benötigt andere Schulungen als Qualität oder Vertrieb), klare Regeln definieren (welche Inhalte verarbeitet werden dürfen, wie Ergebnisse geprüft werden) und verbindliche Freigaben festlegen. So entstehen Sicherheit und Vertrauen.

5. Skalieren, statt neue Inseln zu bauen
Bewährte Lösungen standardisieren und in die bestehenden Abläufe integrieren. Doppelstrukturen vermeiden, alte Parallelwege konsequent ablösen und Zuständigkeiten für Betrieb, Weiterentwicklung und Qualitätssicherung klar zuordnen.

 

Wo KI in der Stahlindustrie heute konkret entlasten kann

  • Reporting & Nachweise: Automatisches Auslesen und Abgleichen von Prüfberichten, Labordaten, Zertifikaten und Auftragsinfos; Generierung konsistenter Liefer- und Qualitätsdokumente – inklusive kundenspezifischer Formate.
  • Disposition & Auftragssteuerung: KI-gestützte Reihenfolgen, Simulation von Rüst- und Energiefenstern, Terminprognosen – mit Daten aus ERP/MES.
  • Vertrieb & Kundenkommunikation: Automatisiertes Pre-Checking von Anfragen (Spezifikationen, Verfügbarkeit, Zertifikate), KI-Assistenz für klare, korrekte Antworten; Self-Service-Portale mit intelligenter Suche.
  • Qualität & Sichtprüfung: Computer-Vision zur Erkennung typischer Oberflächenfehler und zur schnelleren Freigabe.
  • Instandhaltung & Betrieb: Predictive-Signale aus Schwingung/Prozessdaten, priorisierte Aufgabenlisten, digitale Schichtübergaben mit KI-Zusammenfassung.

Foto: GxSasai/Shutterstock.com

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