Die Voestalpine AG stellt an ihrem Standort in Donawitz im ersten Halbjahr 2027 ihre Produktion teilweise auf eine elektrifizierte Stahlerzeugung um und kann im Vollbetrieb jährlich rund 850.000 Tonnen CO2-reduzierten Stahl produzieren. Die Montage der neuen Elektrolichtbogenofenanlage (EAF) wurde plangemäß größtenteils abgeschlossen, nun startet in Teilbereichen die Kalt-Inbetriebnahme. Dabei werden etwa Förderanlagen, Hydrauliksysteme, Elektroinstallationen, Kühlkreisläufe sowie die Automatisierung getestet.
Die Elektrolichtbogenofenanlage besteht aus mehreren zentralen Komponenten, wie etwa einem Unter- und einem Obergefäß und einer Wippe, sowie aus den dazugehörigen Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen (z.B. Stromleitungen). Die insgesamt knapp 900.000 gelieferten Einzelbauteile mit einem Gesamtgewicht von etwa 8.500 Tonnen wurden zum Standort Donawitz per Schiff, Bahn und LKW transportiert.
Mit dem Transformationsprogramm „Greentec Steel“ liege sein Haus in Linz und in Donawitz „sowohl zeitlich wie auch budgetär voll im Plan“, sagt Herbert Eibensteiner. Noch dieses Jahr würden die wesentlichen Bau- und Montagearbeiten abgeschlossen, bevor im ersten Halbjahr 2027 „die ersten Schmelzen in den neuen Elektrolichtbogenöfen in Donawitz und in Linz erfolgen werden“, führt der Vorstandsvorsitzende der Voestalpine AG weiter aus.
XXL-Montage für das Stahlwerk der Zukunft
Voestalpine arbeitet in Donawitz mit mehr als 70 Unternehmen zusammen, rund 90 Prozent davon sind aus Österreich. Rund 500 Fachkräfte sind aktuell auf der Baustelle tätig. Der Anlagenbauer Danieli koordiniert als zentraler Partner die Installation der Kernelemente und die Inbetriebnahme des Elektrolichtbogenofens, außerdem arbeiten zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Stahlbau, Rohrleitungsbau, Elektrotechnik, Automatisierung, Gerüstbau, Logistik und Bauwesen am Projekt mit.
Die Montage des EAF erfolgte in mehreren Schritten: Nach der Vormontage, Vermessung und Prüfung wurden die Anlagenteile mithilfe von Schwertransporten und Großkränen an ihre endgültige Position gehoben. Dabei wurden einzelne Bauteile mit einem Gewicht von bis zu 94 Tonnen bewegt. Für besonders anspruchsvolle Hebevorgänge kamen Kräne mit Tragfähigkeiten von bis zu 650 Tonnen zum Einsatz.
„Die Montage und Inbetriebnahme des neuen Elektrolichtbogenofens ist technisch äußerst anspruchsvoll und erfordert die enge Zusammenarbeit unserer Fachkräfte mit unseren Partnerunternehmen. Dass wir auch hier planmäßig voranschreiten, ist das Ergebnis monatelanger Planung und der erfolgreichen Kooperation mit unserem Projektpartner Danieli“, sagt Franz Kainersdorfer, Mitglied des Vorstandes der voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division.
Die Kalt-Inbetriebnahme als nächster Meilenstein
Die Kalt-Inbetriebnahme markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein. Voraussetzung dafür ist die Inbetriebnahme zentraler Infrastruktursysteme wie die elektrische Energieversorgung und die Medienversorgung. Während der Kalt-Inbetriebnahme werden erstmals alle Anlagenkomponenten als Gesamtsystem getestet. Dabei werden mechanische Funktionen, Medien- und Rohrleitungssysteme sowie Sensoren, Antriebe und Steuerungen geprüft.
Zusätzlich erfolgen umfangreiche Tests der Automatisierungs- und Sicherheitssysteme, um die Anlage auf die spätere Produktionsaufnahme vorzubereiten. Erst wenn alle Systeme fehlerfrei zusammenspielen, erfolgt der nächste Schritt in Richtung Produktionsstart. Der Produktionsstart ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.
Weitere Ausbaupläne rund um den Elektrolichtbogenofen
Wie berichtet, wird die EAF-Anlage, die im nächsten Jahr in Betrieb genommen wird, vorbehaltlich offener Förderfragen bis 2030 erweitert. Die Erweiterungsinvestition von rund 100 Millionen Euro erfolgt unter anderem für den weiteren Ausbau der Stromversorgung, die Errichtung einer dritten Sekundärmetallurgie-Linie und die Erweiterung der Schrottlogistik. Mit diesem Schritt könnte der Standort Donawitz ab 2030 vollständig auf eine elektrifizierte Stahlproduktion umstellen.
Foto: Voestalpine