Corporate Brain als Basis für KI-Agenten im Stahlhandel

Corporate Brain: KI-Agenten unterstützen Vertrieb, Einkauf und Operations, indem sie Prozesse auf Basis einer unternehmensspezifischen Wissensbasis automatisieren.
Der Stahlhandel ist durchaus komplex – generische KI-Modelle stoßen hier schnell an Grenzen. Ein unternehmensindividuelles Corporate Brain steuert KI-Agenten mit branchenspezifischem Know-how und eröffnet neue Potenziale für einen gezielten KI-Einsatz.

Die KI-Wissensbasis im eigenen Haus

Wenn dagegen deutsche Technologieunternehmen wie Aiconiq aus Frankfurt KI-Agenten für Unternehmen bauen, basieren diese auf einer Wissensbasis, über die das jeweilige Unternehmen selbst die volle Kontrolle behält – DSGVO-konform und mit der gebotenen Datensouveränität. Ein Unternehmen kann seine KI-Wissensbasis, sein Corporate Brain, sogar selbst hosten, um ein absolutes Höchstmaß an Datensouveränität zu sichern. Aber der noch wichtigere Vorteil eines Corporate Brain-Ansatzes besteht vermutlich darin, dass das eigens trainierte KI-Hirn das unternehmens- und branchenspezifische Know-how des Stahlunternehmens wirklich versteht.

Wenn das eigene Corporate Brain autonome KI-Agenten steuert

Statt Informationen isoliert abzulegen, bildet ein Corporate Brain stets unternehmensspezifische Zusammenhänge ab: zwischen Prozessen, Regeln, Entscheidungen und Erfahrungen. So lernt das eigene KI-Hirn nicht nur, was im Unternehmen gilt, sondern auch warum und unter welchen Bedingungen. Es bündelt nicht nur explizite Daten und Regeln, sondern auch das implizite, institutionelle Wissen. Das Corporate Brain wird zur Schaltstelle im zentralen Nervensystem des Unternehmens.

An dieses zentrale Nervensystem lassen sich nun vielfältigste KI-Agenten anschließen – getreu der Formel: Das Brain denkt, der Agent handelt. Auf dieser Basis kann Agentic AI wichtige Prozesse im Unternehmen unterstützen und sogar komplexe Workflows automatisieren, ob in Vertrieb, Support oder Operations. Typische Einsatzfelder für ausführende KI-Agenten sind Bereiche wie etwa die Strategie- und Produktentwicklung, die Unterstützung von Managemententscheidungen, die Ideenfindung in Innovationsprozessen sowie Marketing und Kommunikation.

Drei Voraussetzungen für unternehmensspezifische KI-Agenten

  1. Zielsetzung
    Legen Sie fest, welche Prozesse Sie mit KI-Agenten automatisieren wollen. Definieren Sie Ziele, die Sie mit den KI-Agenten erreichen möchten und machen Sie diese Ziele auch durch Zahlen belegbar. Kontrollieren Sie die Ziele fortlaufend anhand von KPIs.
  2. Content-Audit
    Legen Sie fest, welche Inhalte Ihr Corporate Brain umfassen muss, um Ihre KI-Agenten zu befähigen. Bedenken Sie, dass das relevante Wissen eines Unternehmens häufig auch bei langjährigen Mitarbeitern liegt. Damit ist es implizit und nicht verschriftlicht. Sie müssen Ihre Mitarbeiter jetzt nicht dazu auffordern, ihr Wissen schriftlich festzuhalten. Viel besser ist es, durch spezielle KI-Interview-Agenten gelenkte Interviews durchzuführen, um dieses Mitarbeiterwissen aus den Köpfen in Ihr Corporate Brain zu bringen.
  3. Testung
    Stellen Sie sicher, dass Sie die Ergebnisse, die die KI-Agenten in Ihren Unternehmensprozessen erbringen, transparent nachvollziehen können. Gerade anfangs ist es möglich, dass Sie noch etwas nachsteuern müssen. Die gute Nachricht ist: Ihr Corporate Brain lernt mit jeder Interaktion immer weiter.

Automatisierung durch KI: von ERP bis Sales

Naturgemäß sind die positiven Effekte im Unternehmen beim Agenteneinsatz in Bereichen wie ERP und Sales meist recht schnell und deutlich spürbar. Denn während ERP oft der größte strategische Produktivitätsfaktor ist, sind Marketing und Sales entscheidende Faktoren für die Außenbeziehung. Entsprechend bietet sich gerade im Stahlhandel unter anderem ein Sales Agent an, der den Vertrieb des Unternehmens unterstützt, indem er sich um Angebote, Preislogiken und Kundenspezifika kümmert. Ein Purchasing Agent wiederum kann eigenständig Lieferanten analysieren, Rohstoffpreise beobachten und Risikoindikatoren verfolgen. Ein Production Agent dient dazu, kontinuierlich Produktionskennzahlen zu erheben, er warnt vor Engpässen und macht Optimierungsvorschläge, während ein Surface Quality Agent Qualitätsdaten analysiert, Fehlerbilder erfasst und Reklamationen auswertet – all dies auf Basis des Wissens im Corporate Brain.

Fazit: Agentic AI für die Stahlbranche

Der Einsatz von Agentic AI verspricht für alle Wirtschaftsunternehmen einen enormen Produktivitätsgewinn. Dies gilt vor allem dann, wenn die Wissensbasis, die die KI-Agenten steuert, das eigene Corporate Brain ist. Erst durch diese Idee des unternehmensindividuellen KI-Hirns als lebende Wissens- und Know-how-Zentrale des Unternehmens kann das Konzept der Agentic AI ihr volles Potenzial entfalten – auch und gerade in der komplexen Welt des Stahlhandels.

Gabriele Horcher

Gabriele Horcher ist freie Buchautorin und Keynote-Speakerin. Sie schreibt und spricht über den sinnvollen Einsatz von KI in Unternehmen.
www.gabriele-horcher.de

Foto: NicoElNino/Shutterstock.com

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