Die Siempelkamp Giesserei fordert seit Jahren eine wirksame Entlastung bei den Strompreisen und hat dazu eigene Vorschläge vorgelegt. Eine Reform der Strompreisbildung fordert das Unternehmen bereits seit langem, die gezielte Marktöffnung der Netzreserve seit Ende 2025. Aus Unternehmenssicht haben beide Wege aus jetzt wissenschaftliche Rückendeckung vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung und vom Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) erhalten. „Wir führen seit vier Jahren dieselbe Strompreis-Debatte und legen seit vier Jahren konkrete, wirksame Vorschläge auf den Tisch. Dass nun mit IMK und EWI zwei renommierte Institute zu vergleichbaren Schlüssen kommen, zeigt, dass es nicht an Ideen mangelt, sondern an Entscheidungen“, sagt Dr. Georg Geier, Geschäftsführer der Siempelkamp Giesserei
Strompreisbildung koppelt Strompreis an Gaskraftwerke
Beide Ansätze setzen an derselben Schwachstelle an. Solange in vielen Stunden ein Gaskraftwerk die Preisspitze setzt, schlägt ein hoher Gaspreis auf den gesamten Strompreis durch, auch dann, wenn der Strom überwiegend aus günstigen erneuerbaren Quellen kommt. Dieser Mechanismus ist nicht für alle ein Problem. Er beschert Gewinne, auf der konventionellen Seite ebenso wie bei Betreibern erneuerbarer Anlagen, die zu niedrigen Kosten produzieren, aber den hohen, vom Gas gesetzten Marktpreis erhalten. Bezahlt wird beides von denen, die am Ende der Kette stehen, von der energieintensiven Industrie und von den privaten Haushalten.
„Für uns als industrieller Mittelstand stehen eine verlässliche und systemisch ausgewogene Energieversorgung sowie wettbewerbsfähige Strompreise im Vordergrund. Für uns zählt, dass wir endlich weniger zahlen und am Markt wettbewerbsfähig bleiben. Das Hauptproblem ist nicht der hohe Strompreis, sondern dass bald keiner mehr da ist, der ihn zahlen kann“, sagt Dirk Howe, Geschäftsführer der Siempelkamp Giesserei.
Zwei Vorschläge zur Reform der Strompreisbildung
An genau dieser Schwachstelle setzen die beiden vorgeschlagenen Wege an. Der erste Weg ist eine befristete Reform der Strompreisbildung. Für importierte Energieträger wird nicht der tagesaktuelle Krisenpreis angesetzt, sondern ein kalkulierter Referenzpreis. Die Differenz zu den tatsächlichen Beschaffungskosten wird breit über eine Umlage auf den gesamten Strombezug verteilt. Das bewährte Marktsystem bleibt dabei vollständig erhalten, ebenso der Anreiz zum Energiesparen, und es fließen keine zusätzlichen Steuermittel. Nach Angaben des Unternehmens entspricht dieser Ansatz einem Vorschlag, den die Siempelkamp Giesserei bereits 2022 in die Debatte eingebracht hatte.
Der zweite Weg ist die kontrollierte Marktöffnung der Netzreserve. In dieser Reserve werden Kraftwerke aus Gründen der Versorgungssicherheit in Bereitschaft gehalten und von allen Stromkunden über die Netzentgelte finanziert, dürfen aber nicht am Strommarkt teilnehmen. An wenigen, klar definierten Hochpreis-Tagen blieben sie damit ungenutzt, obwohl gerade dann jede zusätzliche steuerbare Kapazität die extremen Preisspitzen kappen würde. Eine befristete, an eine Preisschwelle geknüpfte Marktteilnahme dieser Kraftwerke senkt den Preis für alle, ohne dass ein neues Subventionsinstrument geschaffen werden muss. Genau diese Wirkung hat das EWI nun untersucht und beziffert. Die Siempelkamp Giesserei bringt diesen Vorschlag seit Ende 2025 in die politische Debatte ein.
Dirk Howe:
„Wir haben diese Modelle nicht aus der Distanz beurteilt, sondern selbst erarbeitet. Damals wurden wir als Mittelständler belächelt. Heute prüfen unabhängige Institute genau diese Ansätze und kommen auf Milliardenentlastungen.“
Der Industriestrompreis schließt die Lücke nicht
Die Siempelkamp Giesserei erkennt an, dass die Politik mit dem Industriestrompreis Entlastung schaffen will. In der Ausgestaltung bleibe das Instrument jedoch hinter den Erwartungen zurück: So wird frühestens 2027 rückwirkend ausgezahlt, nur ein begrenzter Verbrauchsanteil wird berücksichtigt und die Maßnahme ist bis 2028 befristet. Nach überschlägiger Rechnung der Geschäftsführer verbleibt für energieintensive Mittelständler real nur eine einstellige prozentuale Entlastung der Stromgesamtkosten. „Wenn unsere Stromkosten um ein Vielfaches über denen der internationalen Wettbewerber liegen, ist ein Rabatt im einstelligen Prozentbereich nicht mehr als ein Tropfen auf das heiße Eisen. Das Instrument kommt spät, wirkt begrenzt und ändert nichts an der Ursache“, sagt Dr. Geier.
Nach Auffassung der Siempelkamp Giesserei sollte zunächst die Netzreserve als kurzfristig wirksame Maßnahme geöffnet werden. Rechtsgrundlagen und Erfahrungen aus der Energiekrise lägen bereits vor, sodass eine Umsetzung kurzfristig möglich sei. Langfristig sei jedoch eine Reform der Strompreisbildung erforderlich. Die zeitweise Rückkehr von Reservekraftwerken an den Markt zur Begrenzung von Preisspitzen ist nach Angaben des Unternehmens zudem bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen.
„Hier liegen Lösung, wissenschaftliche Bestätigung und politische Absichtserklärung auf demselben Blatt. Was fehlt, ist allein der Schritt von der Vereinbarung zur Umsetzung und den erwarten wir jetzt, nicht in der nächsten Wahlperiode“, sagt Dr. Geier.
Foto: Siempelkamp Giesserei