Hyundai-Posco Louisiana Steel LLC (HPLS), ein Joint Venture zwischen Hyundai Steel, Posco, Hyundai Motor Company und Kia, hat die SMS group mit der Lieferung aller Walzwerke für ein neues Greenfield-Stahlwerk im US-amerikanischen Donaldsonville, Louisiana beauftragt. Der Auftrag umfasst eine Warmbandstraße (HSM) und eine Beize/Tandemkaltwalzstraße (PL/TCM) einschließlich einer Säureregenerationsanlage (ARP) und Amova-Logistiklösungen.
Die Walzwerke sind für die Herstellung hochwertiger Automotive-Stahlgüten ausgelegt. Die digitalfähigen Automationssysteme ermöglichen die Integration zusätzlicher Funktionen sowie die Erweiterung um zukünftige digitale Lösungen. Das neue Greenfield-Stahlwerk von HPLS soll 2029 in Betrieb gehen und eine Gesamtleistung von 2,8 Millionen Tonnen an Stahlprodukten erbringen.
Greenfield-Stahlwerk nutzt automatisierte Warmbandtechnologie
In der Warmbandstraße werden einlaufende Brammen zu hochwertigen Coils verarbeitet. Die robuste Quarto-Vorstraße mit Brammenstauchpresse und Vertikalstaucher ist mit kamerabasiertem X-Pact-Sense-System zur Steuerung des Ski-Ups ausgerüstet. Eine wirtschaftliche und präzise Temperaturführung wird durch Hibox-Wärmedämmhauben und induktive Elotherm Kantenheizungen der neuesten Generation garantiert. Die siebengerüstige Fertigstraße ist mit der CVC-plus-Technologie (Continuous Variable Crown) der SMS group, einer Laminarkühlung mit Kantenabdeckung und einer Doppel-Unterflurhaspel ausgestattet.
Das Automations- und Prozesssteuerungspaket X-Pact Integrated Process Model (IPM) optimiert die Leistung des Walzwerks und ermöglicht Einsparungen. Dazu gehört das Prozessmodell X-Pact Profile, Contour and Flatness Control (PCFC), das alle Anforderungen an die Herstellung anspruchsvoller und hochwertiger Produkte mit einem breiten Spektrum an Eigenschaften und Abmessungen von 1,2 bis 25,4 Millimetern Dicke und bis zu 1.900 Millimetern Breite erfüllt. Die gewünschten mechanischen Eigenschaften des Warmbands werden mit Hilfe des X-Pact Microstructure Property Model (MPM) und des MPM Optimizers erreicht. Das System X-Pact Centerline Control gewährleistet eine präzise Bandsteuerung über die gesamte Anlage für einen stabilen Walzprozess.
Integrierte Automation plus Logistiklösungen von Amova
Die integrierten mechanischen, elektrischen und Automationslösungen der SMS group sind auf einen effizienten Anlagenbetrieb mit einer geringeren Anzahl an Bedienern, die von einem zentralen X-Pact One Pult aus arbeiten, ausgelegt.
Die SMS group liefert Amova-Logistiklösungen für den Transport von Coils auf Paletten sowie eine Bandinspektionslinie. Das integrierte Transport Management System (TMS) sorgt für den Bundtransport von der Warmwalzstraße zur Kaltwalzstraße.
Das Ergebnis ist eine Jahresproduktion von nahezu 2,8 Millionen Tonnen an warmgewalztem Stahl mit Option auf spätere Kapazitätserweiterung.
Greenfield-Stahlwerk kombiniert Beize- und Kaltwalzprozesse
Die kompakte Bauweise der Beize/Tandemkaltwalzstraße (PL/TCM) kombiniert die Turbulenzbeiztechnologie der SMS group mit einer fünfgerüstigen CVC Sexto-Tandemkaltwalzstraße. Ein besonderes Merkmal ist die integrierte Säureregenerationsanlage (ARP) mit Wirbelschichttechnologie, die stündlich bis zu 9.000 Liter im Beizprozess verwendeter Salzsäure zurückgewinnen kann und so eine ökologische und wirtschaftliche Verwertung der Säure bei minimalen Abwasseremissionen gewährleistet.
Die Kopplung von Beiz- und Walzprozess ermöglicht einen kontinuierlichen Produktionsfluss, ohne dass eine Zwischenlagerung des Materials erforderlich ist. So kann eine Jahresproduktion von knapp 2 Millionen Tonnen Kaltband erreicht werden. Darüber hinaus kann die Anlage im reinen Beizbetrieb gefahren werden, bei dem gebeizte und geölte warmgewalzte Coils mit einer Jahresproduktion von 112.000 Tonnen hergestellt werden. Das breite Produktportfolio mit Bandbreiten von bis zu 1.850 Millimetern und kaltgewalzten Dicken von 0,40 bis 3,50 Millimetern eignet sich aus Sicht der SMS group für anspruchsvolle Automotive-Stahlgüten.
Prozesssteuerung für hochfeste Automotive-Stähle
Die Anlage besteht aus zwei Hauptbereichen: Turbulenzbeize und Kaltwalzstraße. Die Beizanlage umfasst eine X‑Roll‑Laserschweißmaschine und eine Revolverbesäumschere. Das Beizverfahren für eine effiziente Zunderentfernung wird dynamisch vom X‑Pact-Turbulenzbeizmodell gesteuert, das die Produktivität erhöht bei gleichzeitiger Senkung des Energie- und Säureverbrauchs.
Die Kaltwalzstraße besteht aus fünf Walzgerüsten und einem vollkontinuierlichen Auslaufbereich mit Karussellhaspel sowie dem Inline-Oberflächeninspektionsstand „Rotary Inspect“. Um Bänder in enger Planheits- und Dickentoleranz herzustellen, stattet die SMS group alle Sexto‑Walzgerüste mit der CVC-plus-Technologie aus. Die Konfiguration ist besonders relevant für die Herstellung von hochfesten Stählen der dritten Generation (AHSS), die eine präzise Walzspaltregelung bei hohen Walzkräften erfordern.
Die integrierten X-Pact Level-1- und Level-2-Steuerungen minimieren nicht maßhaltige Bandlängen und Dickenabweichungen bei gleichzeitiger Verbesserung der Walzstabilität. Eine der Besonderheiten des Systems ist der X‑Pact Hot Start Assistant für den vollautomatischen Neustart nach einem Halt, bei dem das Band in der Walzstraße verbleibt. Die Einstellungen der Walzstraße sollen ein sicheres Wiederanfahren mit guter Bandplanheit und schnellem Erreichen der gewünschten Banddicke gewährleisten.
Coil-Logistik für das Greenfield-Stahlwerk integriert
Gesteuert vom integrierten Transport Management System (TMS), transportiert das Amova High-Speed Car (HSC) System die Coils nach dem Kaltwalzen zur nachfolgenden Bearbeitung.
Mit dem Auftrag für das Greenfield-Stahlwerk unterstreiche die SMS group ihre „führende Position als Experte und bevorzugter Lieferant“ integrierter Lösungen für Großwalzwerke in Nordamerika, sagt Steffen Krausa, Sales Director, SMS group. Zudem sichere die Maßnahme die „lokale Versorgung der US-amerikanischen Anlagen großer Automobilhersteller mit hochwertigem Automotive-Stahlblech, darunter auch die Hyundai Motor Group“, ordnet er zudem die Investition in einen größeren Kontext ein.
Foto: SMS group