Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 weist der Industriekonzern Thyssenkrupp unter dem Strich einen Periodenfehlbetrag von -334 Mio. Euro aus. Das ist der zehnfache Wert des Vergleichswertes aus dem Vorjahr (-33 Mio. Euro). Der negative Wert resultiert im Wesentlichen aus den Restrukturierungsaufwendungen für die Stahlsparte (-401 Mio. Euro). Neben dem negativen Beitrag des Segments Steel Europe wirkten sich Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Kerngeschäfts von Automation Engineering (-30 Mio. Euro) negativ auf das Ergebnis aus. Das Netto-Ergebnis nach Abzug der Minderheitenanteile lag bei -353 Mio. Euro (Vorjahr: -51 Mio. Euro).
Umsatzrückgänge beim Handel und bei der Stahlsparte
Der Konzernumsatz lag mit 7,2 Mrd. Euro unter Vorjahr (7,8 Mrd. Euro). Bei Automotive Technology lag der Umsatz aufgrund von Rückgängen im automobilen Anlagenbau und negativen Kurseffekten leicht unter dem Vorjahr. Bei Materials Services und Steel Europe führte eine geringere Nachfrage und bei Steel Europe auch ein niedrigeres Preisniveau zu Umsatzrückgängen. Bei Decarbon Technologies sank der Umsatz im Wesentlichen durch Rückgänge in den Bereichen Wasserelektrolyse der Thyssenkrupp nucera und im Neubau-Geschäft des Chemieanlagenbaus. Bei Marine Systems entwickelte sich der Umsatz entsprechend der erreichten Projektfortschritte in den laufenden Programmen und lag erwartungsgemäß leicht unter dem Vorjahresniveau. Positive Effekte erzielte das Neubaugeschäft Überwasser und der Bereich Marineelektronik.
Der Auftragseingang betrug 7,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 12,5 Mrd. Euro). Der Rückgang ist im Wesentlichen auf umfassende Großaufträge bei Marine Systems im Vorjahr zurückzuführen – vier U-Boote des deutsch-norwegischen „212CD“-Programms sowie der Zuschlag für den Forschungseisbrecher „Polarstern II“. Automotive Technology, Materials Services und Steel Europe verzeichneten leicht rückläufige Auftragseingänge. Ursächlich für den niedrigeren Auftragseingang bei Decarbon Technologies waren die insgesamt wenig dynamische Marktentwicklung und kundenseitige Projektverschiebungen.
Thyssenkrupp baut Materials Services weiter um…
Thyssenkrupp setzt die Transformation des Konzerns wie geplant fort. Im Kern steht das Zukunftsmodell ACES 2030 und damit verbunden der Umbau der Thyssenkrupp AG zu einer Finanzholding. Diese soll Mehrheitsbeteiligungen an „starken, eigenverantwortlichen Unternehmen“ unter ihrem Dach vereinen – und nur noch 50 Mitarbeiter beschäftigen. Bei der Umsetzung von ACES 2030 wurden in den vergangenen Monaten Fortschritte erzielt, darunter bei der Handels- und bei der Stahlsparte.
Materials Services entwickelt sich weiterhin vom klassischen Werkstoffhändler zum modernen Lieferkettendienstleister. Mit der Eröffnung eines neuen Standorts in New Mexico, USA wurden die Kapazitäten bei Verarbeitung und Distribution gestärkt, insbesondere für den Aufbau von Datencentern. Mit Forward Sensing wurde zudem ein weiterer Pilot für eine neue digitale Lösung zur Optimierung von Lieferketten gestartet. Durch einen Liefervertrag mit dem schwedischen Unternehmen Stegra hat sich Materials Services für die eigenen Stahl Service Center Zugang zu signifikanten Mengen non-prime Stahl gesichert. Zudem hat Materials Services Investitionen in Equipment zur Versorgung von Gießereien mit technischen Gasen getätigt.
… und hält bei Steel Europe ebenfalls Kurs
Die Stahlsparte Steel Europe setzt die „strategische Neuausrichtung konsequent fort“, so Thyssenkrupp. Mit dem Abschluss des Sanierungstarifvertrags „Neuaufstellung Stahl“ im Dezember 2025 sowie der Einigung im Februar 2026 auf ein Eckpunktepapier mit der Salzgitter AG zur Fortführung der HKM wurden zwei wesentliche Meilensteine erreicht. Geplant ist ein Verkauf der HKM-Gesellschaftsanteile von Thyssenkrupp Steel Europe an die Salzgitter AG zum 1. Juni 2026.
Gemeinsam bilden diese Schritte die Grundlage für die schrittweise Umsetzung des industriellen Zukunftskonzepts der Stahlsparte. Der Bau der Direktreduktionsanlage in Duisburg schreitet trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds und regulatorischer Unsicherheiten weiter voran. Darüber hinaus befindet sich die Thyssenkrupp AG in vertraulichen Verhandlungen mit Jindal Steel International bezüglich einer möglichen Veräußerung von thyssenkrupp Steel Europe – im Zentrum steht dabei die laufende umfassende Due-Diligence-Prüfung.
Lopez will „entschlossen“ transformieren
Miguel López, der Vorstandsvorsitzende der Thyssenkrupp AG, sieht sich und den Konzern bei all dem auf dem richtigen Weg:
„Auch im 1. Quartal 2025/2026 zeigt sich: Wir stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit Schritt für Schritt und treiben gleichzeitig die Transformation des Konzerns entschlossen voran. Der Fokus liegt weiter auf unserem Zukunftsmodell ACES 2030. Nach dem erfolgreichen Börsengang von TKMS haben wir mit dem Abschluss des Sanierungstarifvertrags und den Verhandlungsergebnissen mit Salzgitter zur Zukunft der HKM jetzt eine belastbare Grundlage, um die strukturellen Herausforderungen im Stahlbereich beherzt anzugehen und das industrielle Zukunftskonzept des Stahlvorstandes erfolgreich umzusetzen. Gleichzeitig investieren wir in die Leistungsfähigkeit der anderen Segmente, um diese kapitalmarktfähig aufzustellen und weitere Verselbständigungsschritte auf den Weg zu bringen.“