Produktionsstillstand bei Thyssenkrupp Electrical Steel

Das Bild zeigt Stahl-Coils in einem Lager. Bei Thyssenkrupp Electrical Steel gibt es einen Produktionsstillstand.
Mit einem Produktionsstillstand reagiert Thyssenkrupp Electrical Steel auf massive Billigimporte aus Asien. Zwei Werke werden bis Jahresende geschlossen, ein Standort fährt ab Januar auf halbe Kapazität herunter. Rund 1.200 Arbeitsplätze sind betroffen.

Thyssenkrupp Electrical Steel (tkES) wird seine Produktion im laufenden Geschäftsjahr reduzieren und teilweise stilllegen. Ab Mitte Dezember werden die Werke in Gelsenkirchen und im französischen Isbergues bis zum Jahresende vollständig geschlossen. Darüber hinaus wird der Standort Isbergues ab Januar für mindestens vier Monate nur mit 50 Prozent seiner Gesamtkapazität produzieren. Das Tochterunternehmen von Thyssenkrupp Steel reagiert damit auf massiv gestiegene, niedrigpreisige Importe insbesondere aus Asien. Damit reagiert das Unternehmen nach Oktober ein zweites Mal mit einem Produktionsstillstand – damals allerdings noch etwas defensiver.

Produktionsstillstand in Gelsenkirchen und Isbergues

Der europäische Markt für kornorientiertes Elektroband steht derzeit unter starkem Druck. Grund sind steigende Importmengen zu Preisen, die deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten in der EU liegen. Die Importe haben sich laut Unternehmen seit 2022 verdreifacht und sind in 2025 nochmals um 50 Prozent angestiegen. Diese Entwicklungen haben zu einer dramatischen Veränderung der Auftragsvolumina und somit zur erheblichen Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen geführt. In der Folge sind akute Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Betriebs unverzichtbar, darunter als offensichtlichste Maßnahme der Produktionsstillstand. Dabei bleibe der Markt für kornorientiertes Elektroband attraktiv, heißt es. Denn: Marktstudien zufolge verdreifacht sich der globale Bedarf bis 2050.

Ursachen und Folgen des Nachfrageeinbruchs

Marie Jaroni, Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel Europe: „Kornorientiertes Elektroband ist für die europäische Energieinfrastruktur und die Energiewende unverzichtbar. Wir setzen uns nachdrücklich für die Aufrechterhaltung der Produktion in Europa ein und bemühen uns derzeit um einen wirksamen Marktschutz, um faire Wettbewerbsbedingungen für dieses strategisch wichtige Produkt zu gewährleisten. Es geht dabei auch um rund 1.200 qualifizierte Arbeitsplätze, die wir an unseren Standorten in Gelsenkirchen und Isbergues sichern wollen.“

Die schnelle Umsetzung effizienter und angemessener Handelsschutzmaßnahmen auf europäischer Ebene würde aus Sicht des Unternehmens dazu beitragen, die Auslastung an beiden Standorten wieder auf ein tragbares Niveau zu erhöhen. Zugleich müssen die Maßnahmen aber auch weitverarbeitende Unternehmen aus der Wertschöpfungskette schützen, die laut Thyssenkrupp Electrical Steel ebenfalls unter einem „zunehmenden unfairen Wettbewerb“ leiden. Man sei aber „weiterhin bestrebt“, die Kunden „nach höchsten Standards“ zu bedienen und die langfristige Zukunft der Produktion von kornorientiertem Elektroband in Europa zu sichern, heißt es aus dem Unternehmen.

Wichtiger Werkstoff für die Energiewende

Thyssenkrupp Electrical Steel ist einer von zwei verbliebenen europäischen Herstellern von kornorientiertem Elektroband, einem Spezialwerkstoff für die Energiewirtschaft. Das Material wird u.a. für Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen benötigt. Generell für den Transport von Strom, von den Kraftwerken, wo er erzeugt wird, bis zur heimischen Steckdose. Ohne effizientes Elektroband aus Stahl ist der Prozess nicht möglich, der Werkstoff ist nicht ersetzbar. Damit dieser Transport möglichst effizient und verlustarm funktioniert, werden spezielle Güten, sogenannte Top Grades, benötigt, die in einem technologisch aufwändigen Verfahren produziert werden.

Thyssenkrupp Electrical Steel ist weltweit einer der wenigen Hersteller solcher Top Grades und damit in der Strom-Wertschöpfungskette ein wichtiger Technologiepartner. Kornorientiertes Elektroband ist auch für die Energiewende unverzichtbar: Eine europäische Produktionsbasis trägt zu einer resilienten und sicheren Energieversorgung bei und ist somit für die strategische Autonomie Europas von Bedeutung.

 

Foto: Thyssenkrupp Steel Europe

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